Ich wollt ich wär KEIN Huhn

„Ich wollt, ich wär ein Huhn…“

Nee, lieber nicht, denn leider geht es den meisten Hühnern bei uns ziemlich schlecht. Seien Sie doch mal ehrlich: Wieviele Hühner haben Sie in Ihrer Nachbarschaft? Die sich auch frei bewegen können, genug Sonne und Luft abkriegen, nach Lust und Laune in der Erde scharren können?
Als ich Kind war, konnte man das noch vereinzelt sehen. Aber selbst da hätte ich mich eigentlich fragen müssen, wo denn all die Hühner sind, deren Eier in jedem Haus verkocht und verbacken werden. Die Mengen an Eiern, die wir verbrauchen, können doch niemals von den paar Hühnern stammen, die man mal vereinzelt bei einem Bauern oder einem Privatmann im Garten zu Gesicht bekommt?

Wenn es so viele freilaufende glückliche Hühner gäbe, müsste man sie doch auch irgendwo sehen, oder? Wie viele freilaufende glückliche Hühner haben Sie in den letzten Jahren beobachten dürfen? Wo kommen dann all die Eier her?
Die Eier, die wir verbrauchen, stammen zum Großteil aus der Massenproduktion.

Was wissen wir aber über Hühner überhaupt? Vor kurzem habe ich mir das Buch „Du sollst nicht töten“ von Nina Messinger gekauft. Und sie hatte unter anderem zu Hühnern einen wunderbaren liebevollen Artikel in ihrem Buch, der mich sehr berührt hat. Leider traue ich mich aus Copyright-Gründen nicht, ihn hier abzutippen.
In Kurzfassung also nur die reinen Fakten (kommen leider nicht so schön rüber wie in dem Buch):

Hühner sind neugierige, gesellige Tiere. In freier Natur leben sie gerne in Kleingruppen zusammen und schließen sogar Freundschaften.
Sie können vorausdenken, voneinander lernen und geben ihr Wissen auch an ihre Kinder weiter. Kinder kennen die Stimme ihrer Mutter.
Jedes Huhn hat eine eigene Persönlichkeit, manche schließen sich eng an ihren Menschen an. In der Wildnis verbringen sie die Nacht gerne geschützt auf Bäumen. Sie lieben „Sandbäder“ und ordnen gerne ihr Gefieder.
Hühner brauchen einige Jahre, bis sie ganz ausgewachsen sind und legen ursprünglich nur 6-12 Eier pro Jahr. Von den Hühnern in Tierfabriken werden bis zu 300 Eier pro Jahr verlangt.

Tierverhaltensforscher haben herausgefunden, dass Hühner so schlau wie Säugetiere sind. Sie verstehen zum Beispiel, dass kürzlich versteckte Gegenstände noch vorhanden sind (was über die Fähigkeiten eines Kleinkinds hinausgeht). Es gibt Hühner, die gerne Rockmusik hören, andere hören lieber Klassik, es sind also tatsächlich Individuen.
Hühner haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten, können mehr als 100 andere Hühner erkennen und sich an sie erinnern. Sie besitzen mehr als 30 verschiedene Verständigungslaute.

In Hühnerfabriken können sie leider ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben. Nicht nur der Platzmangel macht ihnen zu schaffen. Sie sehen kein Tageslicht, müssen tagein tagaus den Ammoniakgestank aushalten.
Hühner sind oft noch bei vollem Bewusstsein, wenn man ihnen die Kehle aufschlitzt oder sie im Brühbad versenkt, um ihre Federn zu entfernen.
In den Brütereien werden die männlichen Küken vergast oder geschreddert, weil sie keine Eier legen.

Zwar lehnen mittlerweile die meisten Verbraucher Käfighaltung ab und viele von ihnen kaufen nur noch Eier aus Freilandhaltung. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass nur Hennen Eier legen, d. h. männliche Küken werden trotzdem getötet.
Sobald die Hennen nicht mehr genügend Eier legen, müssen sie teilweise lange Transporte zum Schlachthof überstehen. Die Massenabfertigung beim Transport bzw. im Schlachthof sorgt nicht gerade dafür, dass die Hühner gut behandelt werden. Viele erleiden hierbei Knochenbrüche und Quetschungen, werden misshandelt und verstümmelt.

Und darüber hinaus: Ob nun „Bio“ oder „Öko“: Leider ist bei den am weitest verbreiteten Auszeichnungen das Zufügen körperlichen Schmerzes, wie z.B. die Kürzung des Schnabels oder Schwanzes, die Beschneidung von Ohren und das Abtrennen von Hörnern zumindest in „Ausnahmefällen“ jeweils immer erlaubt. Was aber eine solche Ausnahme rechtfertigt, ist dehnbar.
(Zitat von Peta: http://www.peta.de/web/bio.1452.html)

Ob die von Ihnen gekauften Eier aus Käfig-, Boden- oder Freilandhaltung stammen, können Sie übrigens an der 1. Ziffer des Stempelaufdrucks auf dem Ei erkennen:

0    Ökologische Erzeugung („Bio-Eier“): Futter aus ökologischem Anbau, Auslaufhaltung, Belegdichte im Stall höchsten 6 Legehennen pro m2
1    Freilandhaltung: Stallhaltung, wie bei Bodenhaltung, zusätzlich tagsüber Auslauf ins Freie; jedem Huhn stehen im Auslauf mindestens 4 m² Fläche zur Verfügung.
2    Bodenhaltung: Stallhaltung, neun Tiere auf 1 m² ohne Auslauf; 1/3 des Stalls ist eingestreut, um den Hennen ihre angeborenen Verhaltensweisen zu ermöglichen, Nester auf mehrere Etagen.
3    Käfighaltung (Legebatterie): Haltung in herkömmlichen Käfigen, keine Sitzstangen oder Nester, sehr beengte Lebensweise ohne Möglichkeit für die Hühner, ihren angeborenen Verhaltensweisen nachzugehen.

Und denken Sie auch an die „versteckten“ Käfighaltungseier: Im Eierlikör, in Nudeln, Gebäck/Kuchen, in vielen Halbfertig- oder Fertigprodukten sind Eier enthalten, die in der Regel nicht von freilaufenden Hühnern stammen. Mit dem Kauf dieser Produkte unterstützen Sie weiterhin die Käfighaltung und das Leid dieser Tiere. Leider gibt es hier noch keine Kennzeichnungspflicht.

Gerade jetzt vor Ostern, wo sich vieles rund ums Ei dreht, sollten wir Verbraucher die Augen offen halten. Bitte kaufen Sie auch keine bereits gekochten und gefärbten Eier, denn auch hier wird nur die Massenproduktion unterstützt.

Ich hoffe, Sie empfinden diesen heutigen Beitrag nicht als missionarisch. Ein bißchen Information hat noch nie geschadet und zu oft denken wir beim Einkaufen nicht darüber nach, was oder wen wir eigentlich damit unterstützen. Ich jedenfalls war dankbar für den Artikel in oben genanntem Buch (er ließ mich Hühner mit ganz anderen Augen sehen) und die Informationen bei Peta.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s