Was ich gerade lese…

Eigentlich bräuchte ich über dieses Buch doch gar nichts zu schreiben, denn es wurde schon so viel darüber geschrieben, die Rede ist von „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer.
Und eigentlich wollte ich dieses Buch auch gar nicht lesen. Denn ich weiß doch längst, was los ist und Fleisch steht schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr auf meinem Speiseplan. Auch bin ich nicht scharf darauf, nächtelang von Bildern und Fakten verfolgt zu werden.
Aber es ist mir in der Bücherei in die Hände gefallen – und da ich sonst nicht so richtig fündig geworden bin, was Lesestoff betrifft, habe ich es also doch mitgenommen.

Tiere essen“ war eigentlich nicht gedacht als Plädoyer für den Vegetarismus, aber wenn man die Fakten kennt und sie einen nicht unberührt lassen, bleibt einem fast nichts anderes übrig als seine Ernährung anzupassen.

Schon relativ zu Beginn des Buches wird die Frage aufgeworfen, warum essen wir Schweine und Kühe, aber keine Hunde? Von den Hunden macht Foer gleich den Brückenschlag zu Fischen. Etwas ungewöhnlich, jeder andere hätte erstmal mit anderen Säugetieren weitergemacht.

Das nächste Kapitel hat mich dann verwirrt. Es geht nämlich nicht im selben Stil weiter, sondern hier wird nach Begriffen strukturiert, die irgendwie etwas mit dem Thema zu tun haben.

Insgesamt fand ich das Buch nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut. Es wundert mich ein bißchen, dass es zum Bestseller geworden ist. Vielleicht liegt es aber einfach daran, dass die Zeit reif war für Literatur, die sich mit unserem Umgang mit Tieren beschäftigt.

Dem Buch fehlt irgendwie der rote Faden. Man hat das Gefühl, Foer springt mal hierhin, mal dahin, um zu schreiben, was ihm gerade dazu einfällt. Mal kommt man sich vor wie in einer Märchenstunde, wo Geschichten erzählt werden – harmlos, also sogar für Kinder geeignet – dann wieder kommen richtige Schocker.
Seiten, die ich nicht lesen konnte, weil sie schlimmer als ein Horrorfilm sind.
Zeitweise fand ich das Buch aber auch etwas zäh und ich habe mich schon gefragt, warum er seitenlang z. B. über H1N1 bzw. H5N1 schreibt. Hier hätte man sicher einiges straffen können, was die Qualität eher verbessert hätte.
Gut fand ich allerdings, dass das Thema nicht nur (obwohl mich das immer am meisten schockt) die tierquälerische Seite beleuchtet, sondern auch, wieviel Antibiotika z. B. den Tieren verabreicht werden, wie gezüchtet wird und dass nämlich die Fleischqualität und auch der Geschmack darunter leidet.
Also selbst derjenige, der sagt, mir macht es nichts aus, dass Tiere zum Essen geschlachtet werden, sollte hier aufhorchen.

Im hinteren Teil gibt es einen größeren Bereich mit Quellenangaben und Anmerkungen. Schade nur, dass im Text nirgendwo Ziffern verwendet werden, die einen Hinweis darauf geben, dass es dazu Anmerkungen gibt. So hat es seinen Sinn etwas verloren.

Ich will niemandem davon abraten, das Buch zu kaufen bzw. zu lesen. Schließlich soll es ja etliche Leute geben, die auf Grund dieses Buches aufgehört haben, Fleisch zu essen. Jemand, der sich noch nicht vorher mit dem Thema befasst hat, wird sicherlich ins Nachdenken kommen.
Mich selbst schocken die Zahlen und Fakten jedes Mal aufs Neue. Ein paar interessante neue Dinge habe ich doch entdeckt in dem Buch. Zum Beispiel habe ich mir nie Gedanken darum gemacht, wieviel Gülle die Schweine in Massentierhaltung erzeugen und dass die Menge der Gülle eben auch ein Problem ist.
Aber insgesamt geht mir das Buch nicht weit genug. Was ist mit der Milch- und Eierproduktion, mit Lederwaren usw.? Ja, ich weiß, der Titel lautet ja nur „Tiere essen“, also geht es nur ums Fleischessen. Doch die Tierquälerei hört ja nicht auf, selbst wenn niemand mehr Fleisch essen würde.

Zwar beschreibt Foer die Zustände in Amerika, Vergleichbares findet aber auch in Europa statt. Und die nackten Tatsachen existieren nun einmal und es ist richtig und wichtig, sie publik zu machen und Menschen darauf hinzuweisen, woher ihr Fleisch stammt und was die Tiere dafür haben erleiden müssen.

Mein Fazit ist: Wer (noch) Fleisch isst, der sollte dieses Buch (oder ein anderes, das dieselbe Thematik behandelt) ruhig lesen. Wer bereits Vegetarier oder Veganer ist, dürfte schon genug wissen und kann sich die Lektüre eher sparen.

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