Dienstreisen-Problematik

Diese Woche musste ich 2 Tage auf Dienstreise. Was bedeutete, dass ich mir schon im Vorfeld ziemlich Gedanken gemacht habe, wie ich das mit dem Vegansein auf die Reihe bekomme.
Alles wäre ja nicht so schlimm, wenn ich allein unterwegs gewesen wäre, da hätte ich schon irgendwann irgendwas zu essen gefunden bzw. hätte mir einfach entsprechend Proviant eingepackt.
Aber ich war mit Kollegen unterwegs und für abends war bereits ein Tisch vorbestellt. Im „Schlenkerla“ in Bamberg. Ausgerechnet eines derjenigen deutschen Landesteile, wo es besonders fleischlastig auf den Tellern zugeht.

Nicht dass mich jemand falsch versteht. Ich mag Franken, bin sogar in Franken geboren. Ich mag den Dialekt, ich mag die Leute mit ihrer manchmal etwas groben und doch liebenswürdigen Art. Aber ich mag die fleischlastige Küche nicht.
Und auch bei den meisten meiner Kollegen ist ein Essen kein richtiges Essen, wenn kein Fleisch dabei ist. Einen einzigen Vegetarier (außer mir) gibt es.

Ich dachte, es wäre eine gute Idee, das Lokal schon vorab per E-Mail anzuschreiben und anzufragen, welche Alternative sie für mich hätten. Leider kam keine Antwort zurück. Als wir dann dort waren und ich sah, wie groß das Lokal ist, war mir klar, dass es den Besitzern nicht so darauf ankommt, ob da ein einzelner Veganer oder Vegetarier das Lokal zufrieden verlässt.

Aber erstmal der Reihe nach…

Für das Mittagessen am 1. Tag habe ich mir ausreichend Proviant mitgenommen. Das Angebot der kleinen Kantine im Firmengebäude ist nicht groß und ich wollte es nicht darauf ankommen lassen, mich gleich am 1. Tag hungrig durch ein Meeting zu quälen.
Eingepackt habe ich also:

  • Ein Sandwich, bestrichen mit Alsan und belegt mit frischen Gurkenscheiben, gebratenen Tofufilets und Tomatenscheiben.
  • Eine Banane
  • Eine halbe Tüte Nüsse
  • 2 Riegel Zartbitterschoko (die sind aber ungegessen wieder mit zurückgekommen, waren nur als Notration gedacht, falls ich einen Heißhunger auf Süßes bzw. Schoko bekommen sollte)

Zum Glück sind sowohl Mineralwasser als auch Tee vegan, so dass ich mir zumindest um die Getränke keine Gedanken machen musste.

Dann also der Abend.

Leider war zwischen Meeting und gemeinsamen Abendessen fast keine Zeit. Sie reichte gerade mal aus, um sich im Hotel einzuchecken. Also keine Gelegenheit, sich vorher schon halbwegs sattzuessen.
Im Schlenkerla sollte man eigentlich Rauchbier trinken, schließlich ist das dort die Spezialität. Aber ehrlich gesagt, ich hatte vor Jahren mal ein Rauchbier probiert und es war das erste und letzte Mal. Es schmeckt mir einfach nicht.
Überhaupt bin ich so gar kein Biertrinker, was irgendwie schade ist, denn zumindest deutsches Bier ist vegan. Wein trinke ich lieber, aber die angebotenen Weinsorten habe ich gegoogelt und keine Aussage darüber gefunden, wie sie geklärt werden. Also bin ich davon ausgegangen, dass sie nicht vegan sind.
Ich hätte dann ja doch ein normales Bier getrunken, das wird im Schlenkerla aber nicht angeboten. So kann man die Kundschaft natürlich auch „zwingen“, die Hausmarke zu trinken.
Aber Mineralwasser gibt es überall.

Und das Essen? Für Vegetarier/Veganer eine einzige Katastrophe. Während andere Lokale ja wenigstens noch einen Salatteller als Alternative anbieten, war irgendwas Frisches, Vitaminhaltiges dort ja überhaupt nicht vorgesehen.
Auf meine Nachfrage konnte man mir nur eine Pastinakensuppe und drei verschiedene Brotzeitteller mit Käse anbieten.
Da habe ich kapituliert. Ich hatte einen Bärenhunger, ausschließen konnte ich mich aus der Gruppe nicht, also habe ich doch Suppe und Käsebrot gegessen.

Dann das Frühstück. Zum Glück trinke ich morgens sowieso nur Tee. Insofern waren also diesbezüglich keine Probleme zu erwarten.
Obwohl das Hotel „Brudermühle“ nicht auf Veganer eingestellt ist, war das Frühstücksbuffet so vielfältig, dass ich den Frühstückstisch nicht hungrig verlassen musste.
Möglicherweise hätte ich ein Müsli mit Obstsaft nehmen können, da wusste ich aber nicht, ob der Saft vegan ist. Aber es gab eine schöne Auswahl an frischem Obst, außerdem verschiedene Brötchen und eine große Auswahl an Marmeladesorten. Das hat mir vollkommen gereicht.

Zum Mittagessen bin ich mit den anderen in die Firmenkantine gegangen. Der Salatteller dort war schön bunt gestaltet und frisch. Ob das Balsamicodressing vegan war, weiß ich nicht, aber das hinterfrage ich unterwegs nicht. So was überlasse ich den Hardcore-Veganern.

Nachdem ich also die zwei anstrengenden Tage hinter mich gebracht habe, bin ich froh, wieder daheim zu sein. Zeit zum Kochen war aber auch gestern leider keine, deshalb gibt es heute Mittag nur einen Linseneintopf aus dem Gefrierschrank, zusammen mit einem mediterranen Brötchen.

Was habe ich aus dem Ganzen gelernt und mir für die Zukunft gemerkt? Wenn man an eine Gruppe „gekettet“ ist, ist es sehr schwierig, nur vegan zu essen. Die Idee mit dem Sandwich war prima, zumindest für den ersten Tag. Bei mehreren Tagen wird es schwierig, da man in der Regel keine Möglichkeit zum Kühlhalten hat.
Banane und Nüsse sind auch prima. Und wenn etwas mehr Zeit ist zwischen Meeting und gemeinsamen Abendessen, dann kann man ja schon vorab notfalls woanders essen. Oder noch ein 2. Sandwich für den Abend mitnehmen.
Allerdings sind ja solche Lokale wie das Schlenkerla zum Glück nicht so häufig anzutreffen und in der Regel ist wenigstens ein Salatteller erhältlich.

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2 Kommentare zu “Dienstreisen-Problematik

  1. Hilfe, das kenne ich auch! Zu Hause vegan zu leben ist wirklich einfach, aber unterwegs wird es schon schwieriger, vor allem wenn man in einer Gruppe geschäftlich unterwegs ist und man selbst keinen Einfluss auf die Auswahl des Lokals, der Menüzusammenstellung, etc. hat. Ich versuche dann zwar so gut es geht eine vegane Alternative zu finden, aber wenn das nicht möglich ist – so wie eben auch in Deinem Fall – dann greife ich auf eine vegetarische Variante zurück, die bekommt man eingentlich fast überall. Man möge mich dafür steinigen, aber die paar Mal im Jahr in denen das vorkommt, kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren und ob ich mich deshalb noch Veganer oder nicht nennen darf, ist mir ehrlich gesagt egal.

  2. Ja,das vegane Leben in Franken ist nicht einfach….Ich lebe in Oberfranken und habe mir das Essen gehen schon fast abgewöhnt.
    Veganes Essen habe ich außer Salat (die Frage nach dem Essig sei mal dahingestellt) äußerst selten bekommen,das wenn überhaupt einzige vegetarische Gericht auf der Speisekarte ist total käselastig,z.b. Käsespätzle oder gebackener Camembert.
    Das man auch mit Gemüse lecker kochen kann ist hier nicht so verbreitet…..
    Teilweise habe ich auch schon erlebt,das es einigen Restaurants egal ist,ob ein einzelner Gast zufrieden ist,die Tische sind voll besetzt,wen interesieren da Sonderwünsche eines einzelnen….
    Habe es gerade erst kürzlich in der Cafeteria vom Klinikum Bayreuth erleben müssen,da blieb mir nach kurzer Diskussion mit der Bedienung auch nur ein Salatteller mit Essig Öl Dressing,der dann zu meinem Entsetzen noch ein ganzes Ei drauf hatte…
    Aber einpaar sehr wenige nette Ausnahmen hab ich doch erleben dürfen.

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