Der Weg ist das Ziel II

Der Weg ist das Ziel II
 

Seit mehr als einem Jahr beschäftige ich mich jetzt mit dem „Vegan-Sein“. Und habe immer noch nicht die Nase voll. Ich glaube, man merkt es an meinen Beiträgen.
Denn obwohl ich geschrieben habe, dass ich das Tempo auf Dauer nicht durchhalten werde, schreibe ich immer noch fast jeden Tag in diesen Blog. Die Rezeptsammlung umfasst mittlerweile weit über 200 Rezepte, also so viel, wie in ein Kochbuch passen würde.
Und immer noch bin ich nicht am Ende mit den Ideen. Es ist echt erstaunlich. Natürlich gibt es auch Rezepte, die sich ähneln, z. B. die verschiedenen Currys, die mit Kokosmilch gekocht wurden oder die Reispfannen. Den Unterschied machen eigentlich nur die verwendeten Gemüsesorten und die Gewürze.
Was aber zeigt, dass die Rezepte leicht abwandelbar sind und sie sich jeder nach eigenem Geschmack abändern kann.

Immer noch sehe ich in Büchern oder Blogs viele vegane Rezepte, die ich am liebsten alle sofort ausprobieren möchte. Die einzigen 2 Probleme dabei sind nur: 1. kann ich gar nicht so viel essen und 2. bin ich ja auch noch berufstätig und habe gar nicht die Zeit, um sie nur in der Küche zu verbringen.

Ich weiß inzwischen, dass vegan sein für einen selbst ganz einfach ist. Schwierig wird es nur dann, wenn man in Gesellschaft ist und die anderen keine Veganer sind. Ein paar kleine Abstriche musste ich da leider auch schon machen. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass ich gescheitert bin. Ich bin auch mit 99% oder 98% zufrieden.
Niemand ist perfekt, und ich schon gar nicht.
Trotzdem tut es mir innerlich weh, wenn ich mal keine Alternative habe (oder die Alternative bedeutet hungern und sich isolieren). Nicht, weil ich perfekt sein will, sondern weil ich weiß, dass die Milch von einer Kuh stammt, die vermutlich nicht gerade das allerschönste Leben hat. Oder das Ei von einem Huhn, das vielleicht nie Tageslicht gesehen hat.

Was ich bemerkenswert finde, ist aber, dass ich inzwischen gar kein Verlangen mehr nach Käse habe, manchmal fast schon im Gegenteil. Wenn ich jetzt in der Gastwirtschaft eine Pizza explizit ohne Käse bestelle, so schmeckt sie mir um Längen besser als ich sie von früher her in Erinnerung habe. Und fühle mich nach dem Essen nicht ganz so platt.

Ein großes Problem wird wohl in Zukunft noch auf mich zukommen… Nämlich dann, wenn es an der Zeit ist, dass ich mir neue Schuhe kaufen muss. Ich habe Schuhgröße 36, da ist die Auswahl von jeher schon minimal. Selbst bei Discountern, die ab und zu Schuhe im Angebot haben, enden die Kindergrößen mit 35, die Damengrößen beginnen bei 37. Schuhgröße 36 scheint nicht zu existieren.
Wenn man dann noch ankommt und nichts mit Leder will und ein klein wenig auf Optik, vor allem aber auch auf Bequemlichkeit (gar nicht zu reden von Langlebigkeit) achtet, dann bleibt auf einmal nichts mehr übrig.
Im Moment trage ich meine vorhandenen Schuhe noch so lange, wie sie durchhalten und hoffe, dass der Zeitpunkt für einen Neukauf noch weit in der Zukunft liegt – und das Angebot an veganen Schuhen dann vielleicht größer ist?

Überhaupt wird es wohl noch sehr lange dauern, bis auch meine Wohnung mit allem drum und dran komplett vegan ist. Ich bin eher ein Konsummuffel, gehe ungern einkaufen. Und je größer die Anschaffung, umso mehr drücke ich mich davor. Nicht, weil ich es mir nicht leisten kann, sondern weil das in der Regel Dinge sind, die man nicht nach kurzer Zeit wieder ersetzt, sondern die man viele Jahre in Gebrauch hat.
Das will natürlich sorgfältig ausgesucht werden, aber die Geduld, stundenlang zum Beispiel in Möbelhäusern herumzuirren habe ich einfach nicht. So habe ich immer noch eine alte Ledercouch, sie hat mittlerweile 30 Jahre auf dem Buckel.
Ich würde sie mir nie mehr kaufen und manchmal überkommt mich schon ein wenig Traurigkeit, wenn ich auf ihr sitze, zu gerne würde ich sie ersetzen, habe aber bis jetzt noch keinen Ersatz gefunden.
Es geht weiter mit Handtaschen und Gürtel aus Leder, Wollpullover, Haarbürste mit Wildschweinborsten… Es ist mir früher nie so aufgefallen, wie viele Gebrauchsgegenstände tierischen Ursprung haben.
So lange diese Dinge noch gebrauchsfähig sind, werde ich sie noch weiter verwenden, aber sobald ein Ersatz notwendig ist, werde ich mich natürlich nach veganen Alternativen umsehen.

Ansonsten fühle ich mich wohl mit meiner (fast) veganen Lebensweise. Mein Gewicht hat sich um die 50 Kilo eingependelt und ist das gleiche wie vor rund 3 Jahren. Zwischendrin hatte ich ja mal etwas zugenommen – darüber habe ich in meinem Blogbeitrag „vegan = schlank?“ berichtet – aber allein dadurch, dass ich nicht mehr ganz so sorglos mit Öl gekocht habe und darauf geachtet habe, dass ich am Tag nicht übermäßig viele Nüsse esse, ging es wieder herunter.
Und dabei esse ich öfter mal Schokolade, Kuchen oder auch mal Tortillachips, wenn ich darauf Appetit habe. Dass ich das kann, darüber bin ich froh, denn Diäten mit Kalorienzählen, das wäre für mich wirklich Horror. Warum das einige Leute machen, aber gleichzeitig behaupten, vegan zu essen, das würden sie nicht durchhalten können, ist mir ein Rätsel.

Wie geht es weiter? Na, genau so wie bisher, hoffe ich. Es macht mir Spaß, es ist spannend und vor allem, es lässt mich ruhiger schlafen. Zumindest was mich selbst betrifft. Leider kann ich nur für mich selbst handeln.

Und der Blog? Ich gebe zu, manchmal kommt ein bißchen Stress auf, wenn ich beim Kochen nachmessen muss, alles notieren muss, was ich gemacht habe, damit ich es anschließend posten kann. Dazu noch die Fotos, die möglichst ja auch einigermaßen schön aussehen sollen. Ohne zu mogeln, versteht sich. Bei mir wird nichts retuschiert. Was Sie auf den Fotos sehen, war wirklich das, was ich gekocht oder gebacken habe.
Ja, das Bloggen kostet Zeit. Und manchmal frage ich mich, warum ich mir das antue. Aber zum einen die Reaktionen von Ihnen als Leser bestärken mich darin, weiterzumachen. Und wenn ich auf andere vegane Blogs schaue und mir dort Ideen hole, dann denke ich auch, schön, dass es Leute gibt, die ihr Wissen oder ihre Ideen weitergeben. Und ich hoffe, die Begeisterung für veganes Essen wirkt ansteckend.

Immer wieder sage ich mir, ich muss ja nicht täglich was Neues posten, es ist schon genug Auswahl vorhanden. Aber – wie oben geschrieben – ich probiere immer noch zu viel neu aus, und das will ich dann auch gerne im Blog veröffentlichen. Es sei denn, das Rezept war eine Niete. Aber so oft kommt das gar nicht vor.
Und vielleicht kommt ja irgendwann der Zeitpunkt, wo meine Liste der noch auszuprobierenden Rezepte zusammengeschrumpft ist und ich auch mal das eine oder andere Essen wiederhole.
Mein Essen wird aber auch weiterhin bunt gemixt sein, denn ich bin überzeugt davon, dass buntes abwechslungsreiches Essen am besten für unsere Gesundheit ist.
Und ich werde auch weiterhin eher selten auf Ersatzprodukte wie veganen Käse oder vegane Fleischalternativen zurückgreifen. Dadurch spart man nicht nur Geld. Sondern diese Ersatzprodukte sind gar nicht nötig (und manchmal auch nicht sonderlich gesund). Natürliche Lebensmittel, darunter Kräuter und Gewürze, bieten genügend Möglichkeiten, dass ein Essen nicht fad schmecken muss.
Eiweiss z. B. aus Hülsenfrüchten und Kohlenhydrate aus Getreideprodukten sorgen darüber hinaus dafür, dass eine vegane Mahlzeit außerdem sättigend ist. Ab und zu können Ersatzprodukte schon mal auf dem Tisch stehen, aber halt nicht regelmäßig.

Nebenbei bemerkt: 50 Jahre lang habe ich mehr oder weniger behauptet, dass ich nicht kochen kann. Aber jetzt habe ich langsam das Gefühl, dass sich das Ergebnis meiner Küchenschlachten immer öfter sehen lassen kann. Es stimmt also doch: Übung macht den Meister. (Obwohl ich von einem Meister noch meilenweit entfernt bin 😉 )
Deshalb will ich allen Lesern hier Mut machen. Legt einfach los mit dem veganen Kochen und Backen, Ihr müsst ja nicht gleich Gäste zum Essen einladen. 🙂

Der Weg ist das Ziel IIDiese Karte habe ich übrigens vor einigen Jahren zum Geburtstag von einer lieben Freundin bekommen. Es gibt Geschenke, die fast nichts kosten und trotzdem was Besonderes sind. So ist es mit dieser Karte.
Ich finde die Aussage darauf so toll, die Karte hat einen festen Platz bei mir in der Küche. Denn genau so ist es: Man kann nicht über Nacht alle Probleme lösen oder die Welt retten. Aber jeden Tag ein wenig daran arbeiten. Der Weg ist das Ziel…

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