Das Ehrenamt – mehr als nur eine Überlegung wert

In unserer heutigen Gesellschaft dreht sich fast alles nur ums Geld. Und so scheint ein Ehrenamt etwas antiquiert zu sein. Schließlich leistet man was und bekommt nichts dafür.
Und nimmt Arbeitslosen vielleicht sogar noch die Chance auf einen Arbeitsplatz weg?

Wer so denkt, befindet sich auf dem Holzweg, wenn ich das mal so sagen darf. Bzw. wer so argumentiert, hat sich mit dem Thema bisher nicht richtig auseinandergesetzt.
Sehen wir es doch mal so: Betriebe (ich fasse jetzt auch mal Tierheime, Pflegeeinrichtungen usw. unter diesen Begriff) müssen kostendeckend arbeiten. Gerade, weil sich alles ums Geld dreht.
Und so wird jeder Euro zweimal umgedreht, gespart, wo es nur geht. Und natürlich wird auch an Personal gespart. Dabei bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke. Wenig Personal bedeutet, dass nur die Dinge gemacht werden, die gemacht werden müssen.
In Pflegeeinrichtungen sind das die medizinische Versorgung, Waschen der Patienten, Essen austeilen und ähnliches. Im Tierheim sieht das nicht so viel anders aus. Da wird geputzt, gefüttert, die Tiere medizinisch versorgt. Dazu kommen administrative Tätigkeiten, Reparaturen usw.
Alten Menschen etwas vorlesen, mit ihnen singen, mit Tieren schmusen und spielen, das wird nicht als Arbeit gesehen und bleibt auf der Strecke. Und dafür würde auch kein Arbeitsloser eingestellt werden.

Aber es sind gerade diese Dinge, die den von uns Abhängigen das Leben etwas lebenswerter machen, die ihnen helfen, den Tag zu überstehen und manchmal sogar Leben retten.

Und hier kommen Ehrenamtliche ins Spiel. Dadurch, dass sie damit kein Geld verdienen, sind sie unabhängiger. Niemand wird mit der Stoppuhr neben ihnen stehen und sagen, Du brauchst für diese Tätigkeit zu lange, bist zu teuer.
Dadurch, dass man es freiwillig macht, ist die Motivation größer. Ein Dankeschön erntet man in den wenigsten Fällen, aber ein Leuchten in den Augen alter Menschen oder das leise Schnurren einer Katze, die sich endlich bei jemandem entspannen kann, bringt mehr Freude als eine offizielle Dankesurkunde.

Wenn ich etwas bedauere, dann ist es, dass uns in unserer hektischen Zeit (schließlich müssen wir fast alle Geld verdienen und arbeiten gehen) nicht so viel Freizeit übrig ist, um jeden Tag auf diese Weise Gutes zu tun.
Aber wenn sich mehrere Freiwillige finden und jeder jeweils nur an einem Tag Zeit mitbringt, dann ist auch eine Woche ausgefüllt.

BriciolaAktuell haben wir im Tierheim in Darmstadt zwar nur wenige Katzen, die auf ein neues Zuhause warten. Aber eine davon tut mir besonders leid: Briciola wurde aus gesundheitlichen Gründen der Besitzerin abgegeben und verkraftet den Tierheimaufenthalt nur schwer. Sie ist in Hungerstreik getreten, kauert in der hintersten Ecke ihres Transportkorbes und will von Tierheim und dem Rest der Welt nichts wissen.
Auch Bert, der Leukose-positiv getestet wurde und wahrscheinlich noch nie ein richtiges Zuhause hatte und dementsprechend noch ein wenig misstrauisch Menschen gegenüber ist, fühlt sich im Tierheim absolut unwohl. Immerhin lässt er sich in seiner Höhle schon ein wenig kraulen und ich habe gute Hoffnung, dass er im Laufe der nächsten Zeit noch ein wenig auftaut. Was wiederum seine Vermittlungschancen erhöht.

Einzelschicksale – aber gerade hier kann man als Ehrenamtliche(r) etwas bewirken. Geld ist nicht alles. Vielleicht haben ja auch Sie ein paar Stunden in der Woche „übrig“? Denken Sie doch mal nach…

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