Neulich am Mittagstisch…

… drei Kollegen sitzen in der Kaffeeküche, als ich reinkomme, mein Mittagessen aus dem Kühlschrank hole und in die Mikrowelle schiebe.
Einer der Kollegen fragt mich: „Na, Christiane, was gibt es denn heute Leckeres bei Dir?“ Ich antworte „Hirse mit Gemüse und Tofu“, wobei man das mit dem Tofu schon gar nicht mehr gehört hat, der erste Teil hat wohl schon ausgereicht für die Reaktion:
„Oje, das hört sich aber sehr gesund an“, „da musst Du keine Angst haben, dass Dir das jemand wegisst“.
Ich verkneife mir jede Reaktion, denn sie müssen auch keine Angst haben, dass ich ihnen ihr gebratenes Hühnchen wegesse. 😉
Im Übrigen haben sie nicht gesehen, wie mein Essen aussah, daran kann es also nicht liegen.

Jeder will gesund sein und gesund alt werden, aber meine Kollegen offensichtlich nicht?

Ok, wo ich arbeite, sind die Frauen immer noch etwas in der Minderheit, das Verhältnis Männer zu Frauen dürfte bei 5:1 oder 6:1 liegen. Und auch wenn in meinem Team der einzige Vegetarier außer mir ein Mann ist, so konnte ich doch beobachten, dass Frauen allgemein einer vegetarischen Ernährung bzw. einer „gesunden“ Ernährung (also mit viel Obst, Gemüse, vollwertig usw.) offener gegenüber stehen.

Aber woher kommt das, dass gesundes Essen irgendwie immer gleich verknüpft wird mit „das kann ja nicht schmecken“?
Liegt es daran, dass wir in unserer Kindheit Ungesundes nicht ungehemmt essen durften? Und wir uns nach dem Adam-und-Eva-Prinzip verinnerlicht haben, dass die verbotenen Dinge am besten schmecken?

Ok, Fett und Zucker oder Fett und Salz sind Kombinationen, die uns gut schmecken und fast so etwas wie süchtig machen können. Fett sind Kalorien, die ein Neandertaler gut brauchen konnte, um einen harten Winter zu überleben. Insofern ist das wohl schon fast genetisch in uns verankert.

Aber warum reagieren wir auf Obst und Gemüse nicht gleichermaßen? Schließlich sind da jede Menge Vitamine drin, die der Körper mindestens ebenso sehr braucht.
Ich bin kein Wissenschaftler und weiß die Antwort nicht.

Aber: Wenn wir uns viel Zeit zum Essen lassen und richtig hinschmecken (Thema Achtsamkeit), dann merken wir erst, wie gut ein Apfel, eine Ananas, eine Salatgurke, eine reife Tomate … schmeckt. Erst vor kurzem habe ich wieder festgestellt, wie süß eine Salatgurke oder ein Kohlrabi eigentlich schmeckt, wenn man sie pur und langsam isst.
Wir müssen lernen, nicht nur langsamer zu essen, sondern auch hinzuschmecken und zu genießen. Was im Übrigen auch dagegen hilft, Übergewicht anzusetzen.

Und wir sollten nicht allein durch Worte wie Hirse schon urteilen, ob etwas schmeckt oder nicht. Und langsam erwachsen werden – niemand verbietet uns etwas, wir dürfen selbst entscheiden, was wir essen wollen und wir dürfen uns sogar für gesunde Lebensmittel entscheiden. Denn das Schöne daran ist: Wir haben keinen Krieg, es gibt fast alles zu kaufen, die Auswahl an Lebensmitteln ist immens.

P.S. Ich esse leider auch oft zu schnell, werde mir meine eigenen Worte mal wieder vermehrt zu Herzen nehmen. 🙂

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9 Kommentare zu “Neulich am Mittagstisch…

  1. Ich glaube, solche Reaktionen basieren auf Unwissenheit und vielleicht auch ein bisschen Neid. Ist vergelichbar mit dem Rauchen. Obwohl es ungesund ist, verteidigen viele ihr Rauchen mit Zähnen und Klauen. Aber doch eigentlich nur, weil sie es nicht schaffen, aufzuhören, Denn gesund alt werden, wollen doch eigentlich alle. Aber anstatt es zu versuchen gehen viele in Abwehrhaltung und stellen den, der es schafft, sich gesund zu ernähren, als Opfer und „armes Würstchen“ hin, dem soviel Spaß (z.B. ungesundes Essen) entgeht. Klar, sonst müssten sich diese Leute ja eingestehen, dass eigentlich sie in der schwächeren Position sind. Lustig wird es immer, wenn ich einem Vertteidiger der ungesunden Lebensweise erzähle, dass ich als Veganerin tatsächlich hin und wieder Pommes mit Ketchup oder Chips esse. Darauf kommen die dann gar nicht klar :-).

  2. Da fällt mir ein Zitat ein, ich weiß leider nicht mehr von wem:

    „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam.“ Ich glaube, das passt in jeden Lebensbereich. Beim Essen finde ich das besonders wichtig. Langsames und bewusstes Essen wirkt sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf unseren Geist und unsere Seele aus. Diese wieder in Einklang zu bringen, kann mit einer bewussten Ernährung sehr gut unterstützt werden.
    Ich esse seit Anfang des Jahres vegetarisch und habe festgestellt, dass ich auf Fragen dazu unbefangen reagiere und mein Gegenüber akzeptiert das ebenfalls ohne Wenn und Aber.

  3. Machen wir uns doch mal nix vor: Das Bild, das Otto-Normalverbraucher von vegetarischer oder veganer Ernährung hat (falls er von letzterer überhaupt eines hat) ist geprägt von den 1970er-Jahren, in denen Räucherstäbchen-schwenkende Hippies unappetitlich aussehende, dafür aber heillos überteuerte Lebensmittel in dunklen, muffigen Bioläden verscherbelten. Und wenn ich an das vegetarische Menü der Mensa meiner Uni in den frühen 90ern zurückdenke (ich sage nur „Bratling“), ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch mal in diesem Leben einer vegetarischen Ernährung zugewandt habe. Bis solche Traumata aufgearbeitet sind und den Menschen bewusst gemacht werden kann, dass vegetarische Ernährung sehr lecker sein kann, gehen wohl noch ein paar Jahre ins Land …

  4. Und Du glaubst, dass Du ‚gesund‘ isst!?
    Tofu aus Gen(-zumindest verunreinigtem) Soja!
    Und ‚in die Mikrowelle schieben‘!
    Träum weiter! 😉

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