Senioren im Tierheim

Mit über 50 ist man kein junger Hüpfer mehr. Das eine oder andere Zipperlein stellt sich ein, die Augen werden schlechter und vernebeln zum Glück die Falten, wenn man sich im Spiegel ansieht.
Frau wird „unsichtbar“, wenn sie durch die Stadt geht, niemand dreht sich mehr nach ihr um, es sei denn irgendein Kleidungsstück wäre gerade extrem verrutscht.
Das Älterwerden gehört zum Leben und jeder, der nicht jung stirbt, wird diese Erfahrungen mitmachen.

Auch Tiere werden älter – mal abgesehen von den „Nutztieren“ (wie ich das Wort hasse, aber ich glaube, jeder weiß, was damit gemeint ist), die ja teilweise im Kindes- oder Teeniealter geschlachtet werden.

Und so bilden meine ca. 14 Jahre alte Katze Milena und ich ein schönes Paar, wenn wir den Abend gemeinsam gemütlich auf der Couch verbringen. Beide genießen wir die Ruhe, das Streicheln, die gegenseitige Nähe und Achtung.
Was nicht heißen soll, dass wir beide immer nur faul herumhängen, aber insgesamt geht es bei uns doch gemächlicher zu als in jungen Jahren.

Nun sollte man meinen, dass andere Leute das ähnlich sehen. Und eigentlich sollte die Nachfrage im Tierheim nach Tieren im mittleren oder fortgeschrittenen Alter genauso groß sein wie die nach jungen.
Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Die Frage „Haben Sie Katzenbabys?“ kommt nicht nur von Familien mit Kindern, sondern mindestens genauso häufig von älteren Leuten, die teilweise schon das Rentenalter erreicht haben.

SimbaSeit einigen Monaten schon wartet zum Beispiel Simba im Tierheim Darmstadt auf ein neues Zuhause. Mit 14 Jahren ist er so alt wie meine Milena und hat hoffentlich noch 4, 5 oder 6 schöne Jahre vor sich. In Menschenalter umgerechnet ist er vielleicht um die 70 Jahre alt.
Und keiner will ihn haben. Dabei ist Simba ein Traumkater. Er ist nicht nur ein imposantes Mannsbild, sondern er ist freundlich, menschenbezogen, lieb, aber durchaus auch unabhängig, kommt also mehrere Stunden allein klar ohne sich zu langweilen oder etwas anzustellen.

LorenzoAuch Lorenzo wartet im Tierheim Darmstadt auf liebe Leute, die ihn mitnehmen. Er ist ca. 13 Jahre alt und hatte vermutlich nie ein richtiges Zuhause. Sicherlich hat er schon einiges mitgemacht in seinem Katerleben und auch ihm würde es gut tun, wenn er endlich zur Ruhe kommen könnte und ein ruhiges festes Zuhause fände.
Er ist ein wenig schreckhaft, bestimmte Dinge wie ein Fotoapparat schüchtern ihn ein. Aber schmusen kann er wie ein Weltmeister und freut sich, wenn man ihn streichelt.
Sein schwarzes Fell ist bei seiner Vermittlung leider ein zusätzlicher Hinderungsgrund. Aus welchem Grund auch immer, schwarze Katzen haben es oftmals schwerer als andersfarbige, ein neues Zuhause zu finden. Dabei sollte doch der Charakter entscheidend sein und nicht die Fellfarbe!

Wenn Sie das nächste Mal auf der Suche nach einem Haustier sind, schauen Sie nicht nur im Tierheim vorbei, sondern fragen Sie sich vorher doch auch mal ganz ernsthaft, was für ein Tier zu Ihnen passt. Und zwar nicht nur welche Spezies, sondern auch, ob nicht ein älteres Tier die bessere Wahl ist.
Im Übrigen kann ich all diejenigen beruhigen, die Angst haben, ein altes Tier würde sich nicht mehr eingewöhnen können. Selbst eine 20-jährige Katze kann sich noch gut an eine neue Umgebung gewöhnen und schließt sich an ihre(n) neuen Menschen an.

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5 Kommentare zu “Senioren im Tierheim

  1. Das hast Du ganz wunderbar formuliert! Ich würde diesen Artikel gerne auf meinem Blog verlinken. Denn es gibt sie in jeder Stadt, diese älteren Tiere, vor deren „Adoption“ sich die meisten Menschen scheuen. Zum Teil kann ich das verstehen. Zu wissen, dass einem nur wenige Jahre mit einem Tier bleiben, das man sicher sehr schnell lieb gewinnt, mag abhalten. Nun könnte man einwenden, dass man auch bei jungen Tieren nicht wissen kann, wie viel Zeit man miteinander verbringen wird. Auf alle Fälle sollten gerade ältere Menschen sich gut überlegen, ob nicht auch ein schon etwas betagterer Vierbeiner besser zu ihnen passen würde. Viele scheuen auch die Kosten für häufigere Arztbesuche mit alten Tieren. Viele Tierheime garantieren heute schon die Kostenübernahme. Das wäre also auch kein Hinderungsgrund.
    Wäre unser Hund ein Katzenfreund (leider ist er genau das Gegenteil) hätte ich schon längst wieder einen Schnurrer bei mir. Ich mag meinen Hund, aber ich liebe Katzen!
    Liebe Grüße von Elvira

    • Hallo Elvira,
      Du darfst gerne verlinken, ich freue mich darüber. Eine Garantie auf langes Leben oder gute Gesundheit gibt es bei Tieren genauso wenig wie bei Menschen. Und – ich weiß nicht warum – ich habe ein Faible für ältere Tiere. Junge Katzen sind drollig anzusehen, aber alte Katzen haben Charakter.

  2. Unser Kater wurde knapp 19Jahre alt. Er war von Hause aus ein sehr ruhiges Tier, kein Schmuser und auch kein Verspielter. Die Schmusezeiten wuchsen mit den Lebensjahren. In den letzten Jahren kam er sogar auf den Schoß. Streicheleinheiten holte er sich aber auch sonst regelmäßig ab, allerdings auf dem Fußboden oder auf Sofa oder Sessel neben mir oder den Kindern. Sein Highlight jeden Tag war das Bürsten. Wenn er Handtuch und Bürste sah, sprang er sofort auf den dafür vorgesehenen Platz und nach wenigen Minuten begann er vor Vergnügen zu sabbern. Er ist seit fast neun Jahren tot – und doch noch so lebendig!

    • Meine Milena kommt auch erst seit ca. 2 Jahren auf den Schoß. Um so mehr genieße ich die Zweisamkeit mit ihr. Und so eine Katze, die das Wort „Bürste“ verstand und dafür auf die Couch hüpfte, hatte ich auch schon. 🙂

  3. Der Vorgänger meiner Paula, Kater Buddha ist mir am Arbeitsplatz zugelaufen, ausgewachsen war er schon und wie alt er wirklich wurde weiß ich natürlich nicht aber ich hatte ihn 13 wunderbare Jahre, ein toller Kater freundlich und verschmust, dann musste ich ihn erlösen lassen weil er Blutkrebs bekam. Du hast recht, alle wollen immer entweder Babys oder ganz junge Tiere und wenn sie dann mit der Wildheit und den Flausen von jungen Hunden/Katzen nicht zurecht kommen landen sie im Tierheim oder werden einfach ausgesetzt.

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