Die Macht der Gewohnheit

Essen hat sehr viel mit Gewohnheit zu tun. Vielleicht kennen Sie das auch, das unstillbare Verlangen, nach dem eigentlichen Essen noch ein Stück Schokolade zu naschen?

Aber darauf will ich gar nicht hinaus… Vor allem das, was täglich so auf unseren Tellern landet, wird zum größten Teil davon bestimmt, was wir kennen und gewöhnt sind.
Die Prägung beginnt bereits im Kindesalter, deshalb ekeln wir Europäer uns zum Beispiel vor frittierten Heuschrecken, die anderswo eine Delikatesse sind. Während Pferdefleisch in Deutschland verpönt ist, ist es im benachbarten Frankreich nicht unbedingt eine Besonderheit.

Wenn es aber „nur“ Gewohnheit ist, so lässt sich diese Gewohnheit auch ändern. Ich sage nicht, dass es unbedingt ganz leicht fällt, von heute auf morgen anders zu essen.
Genauso wenig, wie es für einen Couchpotato leicht ist, regelmäßig Sport zu treiben, für einen Raucher nicht mehr zu rauchen oder für einen Zappelphilip still zu sitzen.
Aber es geht. Und je wichtiger und einsichtiger der Grund für diese Änderung ist, umso leicht fällt es.

Gründe, sich vegan zu ernähren gibt es genügend. Dem einen ist vielleicht der gesundheitliche Aspekt dabei am wichtigsten (als Schlagworte zähle ich mal Bluthochdruck und Arteriosklerose auf).
Wer sagt, dass er Tiere mag, der kann und sollte aber vor allem die Augen nicht davor verschließen, was unsere gewohnte Ernährungsweise für die Tiere bedeutet.

Der Aussteiger hat auf seinem Blog vor kurzem einen Link zu folgendem Artikel veröffentlicht:
Massenmord an Büffelkälbern für Mozzarella in Italien

Sie essen gern Mozzarella? Wirklich, immer noch? Und wie sieht es mit anderen Tierprodukten aus? Sie essen gern Joghurt, Ziegenkäse, Volleinudeln, Gummibärchen, Eierlikörkuchen?
Wissen Sie, woher die Zutaten dafür kommen? Die wenigsten der Tiere, die uns „versorgen“, durften auf einer Weide leben, ihre Kinder wurden ihnen direkt nach der Geburt weggenommen und vieles mehr.

Sie sind erschreckt darüber? Und wie sieht es morgen aus? Meiden Sie diese Produkte oder essen Sie wie bisher, weil es ja so gut schmeckt und weil Sie es gewöhnt sind?

Gewohnheiten kann man ändern. Ich habe es getan. Er, sie, es hat es getan. Es werden immer mehr Menschen, die umdenken und ihr Verhalten ändern und das ist gut so. Denn es zeigt, dass es so schwer gar nicht ist.
Es heißt ja nicht, dass Sie gar nichts Gewohntes mehr essen dürfen. Es bedeutet auch nicht, dass Sie auf Ihr Stück Schokolade als Nachtisch verzichten müssen, nur essen Sie dann halt eine Schokolade ohne Kuhmilch.
Vielleicht schmeckt einiges anfangs ein wenig anders als gewohnt. Aber auch daran gewöhnt man sich und auf einmal schmeckt es so viel besser.

Es war noch nie so leicht, vegan zu leben wie heute. Schauen Sie sich die vielen veganen Kochbücher und veganen Foodblogs an, die in den letzten 2-3 Jahren aufgekommen sind.
Vegan war noch nie so lecker wie heute. Ich bin nicht nur ein Gewohnheitsmensch, ich bin auch ein Genussmensch. Und ich esse vegan. Wer denkt, das ist ein Widerspruch, der irrt.

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4 Kommentare zu “Die Macht der Gewohnheit

  1. Ach, das hast Du gut geschrieben! Mozzarella war heute Thema auf der Arbeit. Mein Hund hat sich heute früh mein Pausenbrot geschnappt und es fast ganz aufgefressen. Es war mit Senf-Ruccola-Aufstrich bestrichen. Nun hatte ich keine Zeit mehr, mir ein neues Brot zu bereiten und habe schnell die Dose mit dem Aufstrich eingepackt. Als eine Kollegin einkaufen ging, ließ ich mir ein Brötchen mitbringen. Eines ihrer Einkäufe waren Minimozzarellakugeln. Es war, als ob ich gegen eine Wand geredet hätte. Nun will ich wirklich nicht missionieren, na, ja, schon – aber nicht vordergründig. Also nehme ich immer wieder vegane Sachen in die Praxis mit. Letztens habe ich Pseudo-Raffaelo gemacht, die auch allen geschmeckt haben. Eine Kollegin wollte das Rezept meiner veganen Milchschnitten. Also habe ich das Kochbuch mitgenommen, denn alleine die Aufmachung macht Appetit. Und jeder kann sehen, wie einfach die Zubereitung der Gerichte ist. Viel einfacher als manches nichtvegane Essen. Ob mir denn Käse und Wurst nicht fehlen würden, werde ich immer wieder gefragt. Nein, sie fehlen mir nicht – mehr. Wurst habe ich nie vermisst, den fehlenden Käse habe ich anfangs durchaus als Verzicht empfunden. Mittlerweile interessieren mich nicht einmal mehr die veganen Varianten (zumal es für meinen Geschmack keinen wirklich richtig gut schmeckenden Käseersatz gibt). Aber ich suche auch nicht mehr, ich habe kein Bedürfnis nach einem Stück Käse. Warum ich vegan lebe, ist auch in der Familie nicht ganz angekommen. Da erzählt mir mein älterer Sohn von den fünf Gerichten, die er auf seinem Supersupergrill aus seinem Grillkochbuch gegrillt hat. Lamm war dabei und Hühnerkeulen, eine spezielle Marinade hätte sie so außergewöhnlich schmackhaft werden lassen. Da habe ich mich sehr, sehr gewundert! Mein Sohn, ein so verständnis- und liebevoller Vater und Ehemann, hat nicht verstanden, was mich bewegt. Aber er hat auch sehr leckere Möhren gegrillt, das wäre dann doch etwas für mich. Na, ja, immerhin.
    Aber mein Mann ändert sein Essverhalten. Ganz langsam, in kleinen Schritten. Er hat von Anfang an alles gegessen, was ich gekocht habe, und es hat ihm auch alles sehr gut geschmeckt. Heute rief er mich in der Praxis an um mir zu sagen, dass er aus Tofu rosso und Reisnudeln ein veganes Essen gezaubert hat. Das sind Momente, die mich dann sehr freuen.

    • Dein Hund hat Geschmack! 🙂
      Ja, ich vestehe es auch immer irgendwie nicht, warum andere Menschen nicht genauso reagieren wie wir, sondern unbekümmert alles weiteressen. Ich glaube, man kann wirklich von den meisten bestenfalls kleine Schritte erwarten. Ich bin mir oft unsicher, wie ich mich verhalten soll. Erzähle ich nichts, dann denke ich, vielleicht wissen sie es einfach gar nicht und handeln deshalb nicht. Erzähle ich was, bin ich die böse Missionarin und die Veganer haben mal wieder ihren schlechten Ruf weg. Ich hoffe immer, dass allein durch das Vor-Leben und Vor-Machen vielleicht der eine oder andere auf den Geschmack kommt. Deswegen ist ja auch dieser Blog entstanden.
      Finde ich aber gut, dass Dein Mann wenigstens teilweise mitzieht. Mir tun immer diejenigen leid, die in einer Partnerschaft leben, wo der Partner auf seinem Stück Fleisch auf dem Teller besteht.

      • Nun, mein Mann kann GsD kochen. Wenn ihm der Sinn also nach seinem Lieblingsfleisch (Kassler) steht, darf er sich das natürlich zubereiten. Was er aber wohl nur machen wird, wenn er weiß, dass ich bei meinen Kindern übernachten werde. Aber wahrscheinlich ist ihm der Aufwand dann doch zu groß, so für sich alleine.

    • Ich habe zwar weder einen Sohn noch einen Mann, aber das spricht mir so aus der Seele. Wie verstörend es manchmal sein kann, wenn Menschen die einem unheimlich nahe stehen nicht verstehen, wie man denkt. Danke für den Kommentar, der wird mir, sollten solche Momente mal wieder auftreten und das werden sie, auf jeden Fall weiterhelfen. 😉
      Liebe Grüße

      Sabrina

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