Was ich gerade lese…

RohvolutionBeschäftigt man sich ausgiebiger mit veganer Ernährung und sucht dafür vor allem im Internet nach weiteren Informationen, so stößt man unweigerlich auf Rohkost.
Nun sind das zwar zwei verschiedene Paar Schuhe, denn vegan zu essen bedeutet nicht unbedingt roh zu essen und umgekehrt. Aber dennoch bestehen sehr viele Gemeinsamkeiten, denn Obst und Gemüse spielt bei beiden Ernährungsweisen eine sehr große Rolle.

Und so verwundert es nicht, wenn es etliche Leute gibt, die erst vegan und schließlich rohvegan wurden.

Ich habe nicht vor, mich in Zukunft rohvegan zu ernähren (es gibt dafür mehrere Gründe, aber das würde hier zu weit führen), bin aber dennoch offen für Informationen darüber.

Vor ein paar Wochen bin ich in der Bücherei über das Buch „Rohköstlich leben“ von Mimi Kirk gestolpert, allerdings habe ich schnell gemerkt, dass mir das Buch nicht so liegt, ich kann also nicht behaupten, dass ich es gelesen habe und deshalb habe ich auch in diesem Blog nicht darüber berichtet.

Nun habe ich ebenfalls in unserer Bücherei das Buch „Rohvolution“ von Chantal-Fleur Sandjon gefunden und mitgenommen. Und bereits die ersten Seiten machten Lust, weiterzulesen.

Es ist hat keinen esoterischen Einschlag wie es bei „Rohköstlich leben“ der Fall war, und es kommt auch nicht dogmatisch daher. Sondern bereits am Anfang wird empfohlen, nicht von heute auf morgen auf Rohkost umzustellen, sondern sich dem Thema langsam anzunähern.
Nicht nur unser Körper braucht Zeit, sich umzustellen, es ist auch eine Umstellung, was das Zubereiten der Nahrung betrifft. Ganz abgesehen davon, dass man im Winter gerne was Warmes isst. Und auch bei gesellschaftlichen Anlässen nicht immer nur Salat knabbern will.
Das machte mir das Buch sympathisch. Denn ich möchte schon gerne den Rohkostanteil auf meinem Speiseplan erhöhen, aber nicht noch mehr zum Außenseiter werden. Und auf mein selbstgebackenes Brot, Kekse oder auch ein schönes Chili oder Curry nicht verzichten.

Das Buch selbst ist eher für Einsteiger in die rohköstliche Ernährung gedacht und so nimmt der allgemeine Teil mehr als die Hälfte des Buches ein. Es liest sich sehr flüssig, man ist also nicht versucht, gelangweilt weiterzublättern. Trotzdem konnte mich das Buch nicht überzeugen, Rohköstler zu werden.
Aber wie Chantal-Fleur Sandjon schreibt, es gibt nicht DEN Rohköstler, genausowenig wie es DEN Veganer gibt.

Nach dem allgemeinen Teil folgt ein 21-Tage-Programm, das Vorschläge macht, wie man in die Rohkost einsteigen kann. Bemerkenswert auch hier wieder, dass durchaus auch gedünstetes Gemüse im Speiseplan auftaucht. Es ist also keine Umstellung von 0 auf 100% Rohkost.
Die erste Woche wird dabei als Detox-Programm bezeichnet. Wobei mir immer nicht so recht klar ist, was dieses „Entgiften“ soll. Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Körper vergiftet ist, ich habe super Blutwerte. Wie in den meisten Büchern werden Glaubenssätze aufgestellt, es fehlen wissenschaftliche Nachweise.

Für mich sind solche vorgegebenen Speisepläne nichts, andere finden sie vielleicht hilfreich.

Was ich dann aber wieder interessant fand, war der Rezeptteil. Nun bin ich Internet schon öfter über rohköstliche Rezepte gestolpert, aber ich muss gestehen, allein die Optik stößt mich oft schon ein wenig ab.
Die Fotos in diesem Buch allerdings machen Lust, vielleicht doch das eine oder andere auszuprobieren.

Jemand, der allerdings tatsächlich durch Lesen des Buches umsteigen will, wird schnell feststellen, dass die Anzahl der Rezepte wiederum zu gering ist, um über Wochen oder Monate abwechslungsreich rohköstlich satt zu werden. Das Buch ist also wirklich nur als Einstieg zu sehen. Für mich war auch nicht einsichtig, weshalb ich für ein Dessert Apfelspalten dörren sollte, frisch sind haben sie doch viel mehr Vitamine?
Insgesamt sind im Buch rund 70 Rezepte enthalten, das klingt im ersten Moment reichlich. 12 davon sind jedoch Getränke. Auch gibt es mehrere Rezepte für Salatdressings. Was zu kurz kommt, sind Rezepte für wirklich sattmachende Gerichte. Und gerade die fände ich besonders interessant.

Was mich ansonsten ein bißchen stört, sind folgende Dinge:

  • es wird des öfteren vorgeschlagen, Obst bzw. „Brot“ zu dörren. Dafür braucht man jedoch einen Dörrapparat, den nicht unbedingt jeder Haushalt hat. Man kann zwar auch im Backofen dörren, aber 10 Stunden lang den Backofen eingeschaltet lassen – nein, dazu bin ich zu sehr Strom-Sparer.
  • es tauchen Zutaten auf wie Maca-Pulver, Weizengras oder Gojibeeren. Diese Dinge bekomme ich bei uns nicht, müssen also wieder bestellt werden. Ich finde eine Ernährung sinnvoller, die weitgehend aus regionalen und saisonalen Lebensmitteln besteht
  • die Rezepte enthalten teilweise sehr viel Nüsse. Nun sind Nüsse zwar gesund, ich esse fast täglich welche, aber die Mengen hier finde ich einfach zu viel. Ob das wirklich so gesund ist?
  • die Ernährung, wie sie hier vorgestellt wird, erfordert doch ziemliche Planung und Vorbereitung, ist zum Teil zeitaufwändig. Ich selbst mag lieber schnellere Rezepte und Essen, das sich gut am Vortag vorbereiten lässt. Sorry, ich habe nicht die Zeit, mich jeden Tag eine oder mehrere Stunden mit Essensvorbereitungen zu beschäftigen.
  • der Punkt, Wildkräuter zu sammeln ist zwar vom Prinzip her gut, für mich aber nicht brauchbar. Wo ich wohne, sind die Felder intensiv landwirtschaftlich genutzt, da findet man keine unbelasteten Wildkräuter (von den Brennesseln in meinem Garten mal abgesehen)

Die Kritikpunkte sind natürlich subjektiv. Insgesamt hat mir das Buch aber recht gut gefallen. Wer sich also in das Thema einlesen möchte, sollte ruhig mal hineinschauen.

Übrigens: Drei Rezepte aus dem Buch sind in diesem Monat auch im aktuellen „Reformhauskurier“ zu finden.

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3 Kommentare zu “Was ich gerade lese…

  1. Nur Rohkost wäre nichts für mich. Mir reicht mein bunter Salat, den ich dreimal in der Woche esse und das Obst (jetzt fängt die Kirschensaison an – darauf freue ich mich besonders), das allerdings etwas zu kurz kommt.

  2. Du hast recht, das Thema ist eigentlich sehr interessant, da man ja durch eine Ernährungsumstellung sogar von geheilten Krankheiten wie zB. Krebs hört. Ich denke, was wir essen hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gesundheit, leider ist das viel zu wenig bekannt – ich dachte vor einem Jahren noch, Rohköstler haben bestimmt Mangelerscheinungen und können ja gar nichts mehr essen! Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall und es sind die Fleischesser, die sich nicht darum scheren, was sie essen. Das haben die Medien bzw die dahintersteckende Tierindustrie aus uns gemacht. Es ist wirklich traurig, wie fehlgebildet das Volk ist und dem Staat nichts daran liegt, diesen Zustand zu ändern und Gesundheitskosten zu senken. Wenn eben Geld im Spiel ist…

    Das in vielen rohen Rezepten ein Dehydrator gebraucht wird, finde ich auch ein wenig stossend. Wahrscheinlich haben sie solche Rezepte einfach für die Abwechslung drin, den Leser jeden Tag nur rohe Äpfel essen zu lassen, war ihnen wohl zu billig 😛

    • Ja, ich denke auch, dass Veganer und Rohköstler wesentlich mehr über Ernährung wissen, ihren Speiseplan sorgfältiger zusammenstellen und dadurch gesünder leben (Ausnahmen gibt es natürlich immer). Ich finde es z. B. interessant zu lesen, dass auch bei denjenigen, die Fleisch essen, Vitamin B12-Mangel und Vitamin-D-Mangel genauso wie Eisenmangel auftreten kann. Eigentlich sollte das Thema Ernährung schon in der Schule wesentlich intensiver behandelt werden. Andererseits macht man sich als Kind noch keine großen Gedanken um die Gesundheit, die Auswirkungen falscher Ernährung zeigen sich ja oft erst sehr viel später.

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