Sie suchen Ihre Katze? Oder: Was man tun sollte, damit man sie schneller wiederfindet

Ich gehe ja schon seit Jahren regelmäßig ins Darmstädter Tierheim, um mitzuhelfen bzw. mich mit den dort vorhandenen Katzen zu beschäftigen.
Rund 600 Katzen durchlaufen jedes Jahr das Tierheim. Den genauen Anteil der Fundkatzen weiß ich nicht, aber ich schätze mal, dass er rund zwei Drittel beträgt.

Die Gründe, warum eine Katze heimatlos geworden ist, sind vielfältig. Natürlich gibt es einen bestimmten Anteil, der einfach ausgesetzt wurde. Das finde ich besonders schlimm, da man erstens nicht immer davon ausgehen kann, dass die ausgesetzte Katze rechtzeitig von jemandem gefunden und versorgt wird.
Und zweitens weil ja gar keine Notwendigkeit dafür besteht. Wenn man sein Tier nicht mehr halten kann oder will, kann man es im Tierheim abgeben. Das ist für das Tier zwar auch nicht schön, aber es hat einen Unterschlupf und Futter und die Chance auf ein baldiges neues Zuhause. Noch dazu haben die Tierheimmitarbeiter auf diesem Wege eher die Chance, noch etwas über das Tier zu erfahren (z. B. Alter, ob kastriert, Impfungen usw.).

Weitaus mehr Katzen – vermute ich mal – sind es aber, die entweder nicht mehr heimgefunden haben, unbemerkt in einem Auto mitgenommen wurden, nicht mehr heim wollten (weil da z. B. eine andere Katze eingezogen ist, die man nicht mag) oder die von gutmeinenden Leuten aufgegriffen wurden, die dachten, die Katze habe kein Zuhause.
Oft sind es aber auch unkastrierte Katzen (Kater), die entweder nie ein richtiges Zuhause hatten oder sich zwecks Brautschau zu weit in die Ferne gewagt haben.

Was ich aber nie verstehen werde, ist folgendes: Jemand vermisst seine Katze, die nicht nach Hause gekommen ist. Sucht nach ihr, ruft nach ihr, hängt vielleicht sogar Suchzettel in der Nachbarschaft auf.
Dieser „Jemand“ vermisst seine Katze also wirklich und möchte sie gerne wiederhaben. Warum aber kommen so wenige Leute auf die Idee, in den umliegenden Tierheimen nachzufragen, ob die Katze dort vielleicht abgegeben wurde?

Ok, manchmal wird eine Katze nicht sofort am Tag nach dem Verschwinden im Tierheim aufgegriffen und abgegeben, so dass der erste Anruf vielleicht umsonst war. Aber warum die Chance vertun und nicht nach einer Woche oder so nochmal nachfragen?
Oder besser noch: im Tierheim vorbeischauen und sich vergewissern (vor allem, wenn die Katze kein eindeutiges Merkmal hat, an der man sie erkennen kann).

Wie oft haben wir im Darmstädter Tierheim Katzen sitzen, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie mal ein richtiges und gutes Zuhause hatten (sie sehen gepflegt und gutgenährt aus und sind oftmals sehr menschenbezogen). Trotzdem meldet sich kein Besitzer.
Vor kurzem erst hatten wir wieder einen Neuzugang: Eine offensichtlich schon sehr alte klapperdürre Kätzin, die möglicherweise nicht mehr heimgefunden hatte. Auch Katzen können im Alter etwas verwirrt werden. Über einen Aufruf in Facebook konnte die Besitzerin ermittelt werden, die ihre Katze schon verzweifelt gesucht hatte.
Aber warum guckt man in Facebook und fragt nicht mal in den Tierheimen direkt nach? Ich werde es nicht verstehen…

Und deshalb meine Bitte, falls dies jemand liest: Wenn Sie Ihr Tier vermissen, fragen Sie auf alle Fälle in den Tierheimen nach, am besten sogar zwei- oder dreimal in bestimmten Abständen, falls das Tier beim ersten Mal nicht da war.
Und ganz wichtig auch: Lassen Sie ihr Tier chippen und/oder tätowieren und melden Sie das Tier bei Tasso (www.tasso.net – es ist ein zentrales Tierregister, die Registrierung des Tieres ist kostenlos).
Nur so kann zum Beispiel eine schwarze Katze, die unfreiwillig und unbemerkt 300 Kilometer in einem LKW mitgefahren ist, den ursprünglichen Besitzern zugeordnet werden.
Auch sollte man ein oder mehrere gute Fotos von seinem Tier machen, das ist hilfreich für Suchzettel.(Sie glauben nicht, wie oft ich ein diffuses Handyfoto geschickt bekomme, wenn jemand seine Katze als vermisst melden will. Darauf würde ich oft noch nicht mal meine Nachbarskatze erkennen.)

Und was man ebenfalls nicht versäumen sollte, ist, sein Tier kastrieren zu lassen, sobald es geschlechtsreif ist. Man glaubt gar nicht, wie weit Kater laufen können, wenn sie eine Kätzin suchen, und wie vielen Gefahren sie sich dabei aussetzen (Straßen, Kämpfe usw.).

Ein großes Problem für die Tierheime sind aber auch sogenannte „halbwilde Katzen“. Das sind Katzen, die in den ersten Lebenswochen keinen Menschenkontakt hatten und dadurch scheu geblieben sind. Diese Katzen haben in der Regel kein Zuhause.
Wenn sie nicht rechtzeitig kastriert werden, sorgen sie für neuen Nachwuchs, der ebenso wild aufwächst. Mit den Begleiterscheinungen, die man aus Berichten aus südlichen Ländern kennt: Die Katzen sind oft unterernährt und haben diverse Krankheiten. Nur durch rechtzeitige Kastrationen kann man verhindern, dass es nicht mehr werden.

Wer mehr darüber lesen will, was man zur Vorbeugung tun kann, wenn man seine Katze vermisst oder wenn man eine Katze gefunden hat, kann dies auf meiner Homepage tun unter http://www.catlife-darmstadt.de/Vermisst.htm

Übrigens: Gerade jetzt im Sommer passiert es sehr oft, dass Katzen unbemerkt irgendwo eingeschlossen werden. Katzen sind von Natur aus neugierige Tiere und schlüpfen gerne unbemerkt in eine normalerweise verschlossene Gartenhütte/Keller/Schuppen, um sich dort umzusehen. Passen Sie also auf, wenn Sie Ihre Gartenhütte zuschließen bzw. schauen Sie sorgfältig nach, wenn Sie mitbekommen, dass in der Nachbarschaft eine Katze vermist wird.

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4 Kommentare zu “Sie suchen Ihre Katze? Oder: Was man tun sollte, damit man sie schneller wiederfindet

  1. In den Gartenkolonien in meinem Wohnumfeld hängen regelmäßig Vermisstenanzeigen aus. Jedesmal mit der Bitte versehen, doch bitte in Lauben und Schuppen nachzusehen.
    Vor vielen Jahren habe ich einen jungen Hund gefunden, sicher noch kein Jahr alt, und ihn mit Katzenfutter in unsere Wohnung gelockt. Unseren Kater hatte ich vorsorglich ins Schlafzimmer gesperrt. Es war eine Hündin, die als erstes den Napf von Spencer leerte, dann auf den Teppich pinselte um anschließend leidenschaftlich mit einem Ball zu spielen und uns zu spielen. Ich hatte zwischenzeitlich im Tierheim angerufen (der Hund hatte kein Halsband um). Nach knapp 2h wurde die Hündin abgeholt. Am Abend beriet sich unsere Familie, ob wir es nicht wagen sollten, den Hund aufzunehmen. In der Nachbarschaft gab es einige funktionierende Hund-Katze-Beziehungen, Spencer war ein sehr ruhiger und schon etwas betagter Kater und ich nach der Babypause noch nicht wieder berufstätig (was auch für die nächsten Jahre noch nicht vorgesehen war). Die Kinder waren schon größer und sehr verständig. Nichts sprach gegen diesen Entschluss. Am Folgetag rief ich im Tierheim an. Ja, der Hund wäre noch da, es hätte sich niemand gemeldet. Wir müssten aber als ganze Familie erscheinen. Das wäre zwei Tage später möglich gewesen. Morgens rief ich noch einmal an und kündigte uns an. Gespannt trafen wir uns im Tierheim. Aber der Hund war nicht mehr da. Man wollte uns auch nichts weiter über seinen Verbleib sagen. Ich bin sehr traurig nach Hause gegangen, hatte ich mich doch schon so auf diese knuffige Promenadenmischung gefreut. Vielleicht hatte es aber auch sein Gutes. Uns wurde nämlich bereits am Telefon gesagt, dass wir dem rechtmäßigen Besitzer, so er sich während der Frist eines Jahres meldet, das Tier herausgeben müssten. Das wäre uns dann sicherlich noch schwerer gefallen.

    • Bei uns im Tierheim ist es so, dass Fundtiere frühestens nach 14 Tagen weitervermittelt werden. In der Regel ist es aber so, wenn sich innerhalb der ersten Woche kein Besitzer gemeldet hat, dass die Wahrscheinlichkeit, dass noch jemand kommt, sehr gering ist. Grundsätzlich hat aber der alte Besitzer auch nach der Vermittlung noch das Recht, sein Tier wiederzuholen, das stimmt. Das kommt allerdings so gut wie nie vor.

      Dass Katzen unbemerkt irgendwo eingeschlossen werden, kommt dagegen relativ häufig vor. Im Tierheim hatten wir schon mehrfach extrem ausgehungerte und dehydrierte Katzen, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie eingeschlossen waren (eine Katze ist in der Regel doch so selbstständig, dass sie sich irgendwo etwas Wasser und minimal Futter besorgt). Und ich habe auch schon mehrfach eine Rückmeldung bekommen, dass die als vermisst gemeldete Katze in der Nachbarschaft eingeschlossen war und nun wieder zu Hause ist. Meinen früheren Kater Lukas musste ich fast regelmäßig aus der Tiefgarage befreien. Mit Vorliebe ist er immer wieder dort reingestiefelt und hat sich die Autos von unten angesehen, typisch Mann halt. 🙂

      • Gerade eben habe ich in der Berliner Abendschau einen Bericht über ein Ehepaar gesehen, das mit dem Tierheim zusammen arbeitet und kranke Tiere in Pflege nimmt, diese aufpäppelt und dann vermittelt. Auch bei uns ist das Tierheim auf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen angewiesen.

  2. ich bin gottfroh, dass mein katerle mittlerweile in einem alter ist, wo er froh ist, wenn er seine ruhe hat und überhaupt kein interesse mehr daran hat, die große weite welt zu erkunden! danke für den sehr guten und wertvollen beitrag!

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