Teufel oder Beelzebub

Die Gründe, weshalb jemand vegan wird, können ganz unterschiedlich sein. Bei manchen mag eine Unverträglichkeit oder andere gesundheitliche Gründe der Auslöser sein.
Andere wollen vielleicht nur abnehmen. Für den wohl größten Teil der Veganer spielen aber ethische Gründe die Hauptrolle.

An vorderster Front steht dabei der Tierschutz. Aber auch der Umwelt- bzw. Naturschutz ist vielen sehr wichtig. Tierschutz und Naturschutz sind sehr miteinander verflochten.
In der Mengenlehre würde man wohl von einer großen Schnittmenge sprechen.

Auch mir ist beides wichtig (neben dem gesundheitlichen Aspekt, der für mich persönlich auch eine große Rolle spielt).
Habe dabei aber festgestellt, dass es gar nicht immer so einfach ist, sich für beides gleichzeitig einzusetzen. Denn vegan zu leben bedeutet ja nicht nur, vegan zu essen, sondern möglichst auch den Konsum von Produkten mit tierischen Inhaltsstoffen zu vermeiden.
Für fast alles Tierische gibt es dabei Alternativen – leider sind aber nicht alle umweltfreundlich.

Und hier befindet man sich unweigerlich in einer Zwickmühle.

Ich habe das Buch „Plastic Planet“ vor einigen Jahren gelesen, es war also noch bevor ich beschlossen habe, vegan werden zu wollen. Das Buch hat mich geschockt und ich habe mir geschworen, noch mehr als bis dahin, den Kauf von Plastikartikeln zu meiden und insgesamt den Plastikanteil in meinem Leben zu verringern.
Wobei Plastik mehr ist als nur irgendwelche Einkaufstüten, Gefrierboxen, Spielzeug usw. Wer das Buch gelesen hat, weiß, dass darunter zum Beispiel auch Stoffe wie Polyester (bzw. Mikrofaser) fallen.
Alles was wir konsumieren, wird entweder aufgegessen (Lebensmittel) oder geht irgendwann den Weg alles Irdischen. Nun ist das aber bei Plastik nicht so einfach der Fall, da es nicht von allein irgendwann zu Staub verfällt. Und auch wenn es in Müllverbrennungsanlagen verbrannt wird, entstehen Dämpfe. Wir verpesten damit unsere Luft.

Ich will hier nicht zu weit ausholen, möchte aber jedem Interessierten nahe legen, das Buch „Plastic Planet“ zu lesen, es öffnet einem die Augen.

Zurück zum Thema… Will ich als Veganer Schuhe kaufen, so versuche ich natürlich Leder zu meiden. Was ist die Alternative? Kunstleder, Nylon – alles Plastik. Stoff? Vom Prinzip her schon, aber nur im Sommer bei schönem Wetter. Wenn es nass und kalt wird, muss schon was Wetterfestes her.
Pinsel und Bürsten gibt es nur mit Tier- oder Plastikborsten. Manchmal, so scheint es, hat man nur die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub.

Einen einfachen Einstieg in die vegane Ernährung bieten Veggie-Artikel wie z. B. vegane Würstchen, veganer Käse usw. Diese Artikel bekommt man allerdings nicht lose an einer Frischetheke, sondern immer abgepackt in Plastik.
Wer Glück hat, findet losen Tofu vielleicht im Asia-Shop. Bei dem aber wieder ist in der Regel nicht garantiert, dass er gentechnikfrei ist.
Natürlich kann man ohne Tofu-Würstchen oder fertige Seitan-Schnitzel auch vegan leben, aber dadurch fallen wieder einige Lebensmittel weg, die es vor allem Anfängern leichter machen, einzusteigen.
Bevor ich vegan wurde, habe ich Joghurt gerne in Mehrweg-Glasflaschen gekauft. Sojajoghurt gibt es leider bisher nicht in Glasflaschen.

Eine Lösung habe ich nicht parat. Stattdessen befinde ich mich ständig irgendwie in einem Dilemma. Momentan gewinnt immer die vegane Variante. Aber die kleine Stimme im Hinterkopf ist nicht still.
Ich hoffe zwar immer noch, dass langfristig umweltverträglichere Alternativen entstehen, wie z. B. Sojajoghurt in Mehrwegflaschen, befürchte aber, dass ich noch lange darauf warten muss.
Irgendwie scheint das Plastik- bzw. Müllproblem noch nicht wirklich als Problem anerkannt zu sein, sondern wird von Politikern genauso wie von Konsumenten verdrängt.
Es gibt Länder, die ein wenig weiter sind als Deutschland und zumindest Plastiktüten beim Einkaufen verboten haben. Zum Beispiel Frankreich und Italien. es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber immerhin ein Anfang.
Leider habe ich den Eindruck, als ob Plastikverpackungen insgesamt immer mehr zunehmen. Man möge sich nur die Berge an gelben Säcken ansehen, die am Straßenrand aufgeschichtet werden, wenn Verpackungsmüll abgefahren wird.

Vegane oder vegetarische Ernährung befindet sich im Trend. Ob auch Plastikvermeidung irgendwann zum Trend wird? Und ob ich das noch erlebe?

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6 Kommentare zu “Teufel oder Beelzebub

  1. Da sprichst Du wirklich ein wichtiges Thema an…und ich versuche es auch, aber es geht leider kaum…ich bekomme so vieles nur verpackt und würde mich freuen, wenn das Bewußtsein sich da doch mal ändern würde.
    LG, Petra

  2. Ich habe letztens Räuchertofu benötigt und wieder geflucht, als ich das aus seiner Verpackung schneiden musste. Dabei fiel mir ein, dass ich irgendwo Tofu im Glas gesehen habe und mich damals fragte, warum das nicht, wie die andern in Plastik eingeschweißten Tofublöcke, in er Kühlung steht. Dieser Frage bin ich allerdings nicht nachgegangen, da Tofu nicht sehr oft auf dem Speisezettel steht. Joghurt kaufe ich auch selten, so ganz richtig gut schmeckt mir keiner. Was Schuhe betrifft, so hoffe ich einfach, dass meine Winterstiefel (Leder) noch ganz, ganz lange halten. Wenn ich mich auch vegan ernähre, so habe ich bei der Umstellung meine Lederschuhe nicht entsorgt. Die habe ich nun einmal und trage sie auf, bis sie auseinander fallen. Was mit meinen Hausschuhen gerade geschehen ist. Mein Mann hat sie mehrfach geklebt, aber nun ist die Sohle mehrfach gebrochen und zur Unfallgefahr geworden. Ich trage jetzt übergangsweise ein paar Vollkunststoffschlappen, so eine Art Badelatschen aus altem Bestand, und mache mir genau diese von Dir beschriebenen Gedanken über neue Hausschuhe. Am Samstag habe ich auf unserem Wochenmarkt Ausschau gehalten und ihn ohne Schuhe wieder verlassen. Es gab Lederschuhe, natürlich, und jede Menge Plastikschuhe von indisch-pakistanischen Allesanbietern. Vielleicht kaufe ich Filzpantoffeln – aber wer sagt mir, woher die Wolle stammt? Es ist wahrlich kein leichtes Unterfangen.
    Plastiktüten gibt es mir schon lange nicht mehr. Ich bin in der glücklichen Lage über viele, von mir selbstgenähte Beutel zu verfügen. Dennoch benutze ich täglich kleine Plastikbeutel zum Entfernen des Outputs meines Hundes. Eine weitere Zwickmühle. Zumal diese Beutel von unserer Wohnungsbaugesellschaft kostenfrei angeboten werden.
    Kunststoffe zu umgehen ist offensichtlich kaum möglich. Ich freue mich schon immer, dass ich bei Dr.Pogo viele Lebensmittel lose kaufen und diese entweder in Papiertüten oder mitgebrachten Behältern abfüllen kann.

  3. Es ist alles immer eine Gratwanderung und eine Sache des Kompromisses, vielleicht sogar: das kleinere Übel wählen – wie jetzt bald auch in der Politik 😉
    Lieber Leder als Plastik. Letzteres schadet Tieren sehr viel mehr (und uns Menschen natürlich auch). Sandra Krautwaschl schreibt es ja auch in ihrem Buch (das ich gerade lese), dass es nicht darauf ankommt, etwas gänzlich zu verbannen, sondern ‚vernünftig‘ zu konsumieren, weniger, gezielter, überlegter. Ich habe mich gerade erst auf den Weg gemacht.

      • Ich finde das auch zunehmend schlimm. In den letzten Jahren habe ich sehr viel aussortiert und verschenkt und jetzt – wenn ich etwas kaufen möchte – überlege ich doch zweimal oder dreimal.

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