Der Weg ist das Ziel V

WegeVor rund 2 Jahren ist meine Entscheidung gefallen, zukünftig vegan essen zu wollen. Wie die Zeit verfliegt! Es kommt mir noch gar nicht so lange vor seitdem.

Vegan zu leben ist für mich mittlerweile zur Normalität geworden. Das heißt nicht, dass es immer einfach ist, darüber habe ich ja schon in meinen vergangenen Blogbeiträgen „Der Weg ist das Ziel …“ geschrieben.
Aber es ist eigentlich für mich keine Besonderheit mehr, ich selbst sehe es nicht als exotisch oder abgefahren an. Und es ist mir schon passiert, dass ich irgendwo ein Kochbuch aufgeschlagen habe und dann erschrocken bin, weil da ja unvegane Rezepte enthalten sind. So normal ist das Vegane für mich mittlerweile, dass ich manchmal fast vergesse, dass es für andere nicht normal ist.

Längst probiere ich nicht mehr alles neue Vegane aus, das irgendwo im Supermarkt oder Bioladen auftaucht. Meine letzte Internetbestellung liegt schon ewig lang zurück. Ich weiß, dass es zig Möglichkeiten gibt, vegan zu kochen und zu backen ohne dass ich dafür spezielle Zutaten bräuchte.

Allerdings sind Lebensmittel wie Quinoa, Bulgur, Kichererbsen, überhaupt verschiedene Hülsenfrüchte usw. für mich mittlerweile ganz normale und häufig genutzte Zutaten geworden. Tofu gibt es zwar auch hin und wieder, aber nicht unbedingt sehr viel häufiger als in meiner vegetarischen Zeit.

Was das (vegane) Leben etwas schwierig macht, ist immer noch das Leben außerhalb meiner 4 Wände, also Einladungen, Restaurantbesuche und ähnliches.
Und dass ein Teil meiner Freizeit immer drauf geht mit Kochen und Backen.
Manchmal nervt es schon, nach Feierabend noch am Herd zu stehen und anschließend am Spülbecken.
Es ist also nicht das Vegane an sich, was Probleme bereitet, sondern dass trotz aller Fortschritte der Großteil der Welt um mich herum immer noch unvegan ist und ich somit immer noch ein bißchen ein Exot.

Wobei … gerade in letzter Zeit ist das Thema „Vegan leben“ in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird in den Medien breit getreten. Kaum ein Fernsehsender, der das Thema in den letzen Monaten nicht aufgegriffen hat.
Frauenzeitschriften und andere Magazine, überall begegnt man dem Thema. Eigentlich sollte mir das doch gefallen, oder?

Hmm, irgendwie tut es das trotzdem nicht. Man liest von Selbstversuchen, die teilweise ins Lächerliche ausarten. Man liest von alten Glaubenssätzen, die doch längst schon wiederlegt wurden.
Und so mancher, der sich gerne informieren möchte, wird eher abgeschreckt, wenn er auf Warnungen stößt, vegane Ernährung würde zu Mangelerscheinungen führen.
Nicht jeder Journalist recherchiert ausführlich, bevor er einen Artikel schreibt, sondern es werden immer wieder Beiträge mit heißer Nadel gestrickt. Weh dem, der alles glaubt, was er liest.
Nur weil etwas schwarz auf weiß irgendwo gedruckt steht, ist es nicht automatisch wahr.

Und dann die Kritiker… Wie man zuletzt mal wieder bei der Themenwoche der Zeit sehen konnte, hagelt es Kommentare von Leuten, die Angst haben, sie dürften nicht mehr frei bestimmen, was sie essen wollen.
Das gleiche Aufschreien wie kurz vor der Bundestagswahl beim Vorstoß der Grünen, einen Veggietag in den Kantinen einführen zu wollen.

Irgendwie bin ich es müde. Ich habe es satt, immer zu lesen, dass Veganer missionarisch auftreten, dass vegane Ernährung eine Mangelernährung ist und all das. Ich finde mich da nicht wieder. Und mag solche Behauptungen nun einfach nicht mehr lesen, es nervt.

Während ich also in meiner Anfangszeit viel gelesen habe, was irgendwie mit Veganismus zu tun hatte, meide ich das Thema jetzt eher.
Ich spüre ja die Auswirkungen der Ernährung am eigenen Leib, das ist für mich Wahrheit genug.

Allerdings gibt es natürlich positive Auswirkungen, dass das Thema populär geworden ist. Immer öfter werden vegane Läden und Restaurants eröffnet oder zumindest vegane Alternativen angeboten.
Die Anzahl der veganen Kochbücher steigt stetig an. Und man darf hoffen, dass vielleicht tatsächlich in den nächsten Jahren Produkte im Regal gekennzeichnet werden, ob sie vegan sind oder nicht.

Dann könnte es sein, dass die vegane Auswahl insgesamt noch größer wird und es auch mehr vegane Fertig- oder Halbfertigprodukte gibt.
Es nervt mich manchmal schon, wenn ich das halbe Wochenende in der Küche verbringe, um mir meine Mahlzeiten zuzubereiten. Auch wenn ich mittlerweile ganz gerne koche, so bedeutet das doch nicht, dass ich meine Freizeit nur damit verbringen möchte.
Zu gerne würde ich manchmal doch auf eine Tütensauce oder -suppe zurückgreifen. Ja, ich weiß, es gibt welche, die vegan sind, aber nicht unbedingt im nächsten Supermarkt (oder nur wenn man sämtliche Etiketten studiert hat).

Aber halt! Hier befinde ich mich momentan wieder in einem Umdenkungsprozess. Würde ich tatsächlich wild zugreifen, wenn es – wir sagen mal – beim Aldi verschiedene vegane Saucen oder Suppen oder Pizzas gäbe?

Wenn ich ehrlich bin, wahrscheinlich nicht. Ich merke, ich habe mich weiterentwickelt.Es genügt mir nicht mehr, nur vegan zu essen. Der Bio-Anteil der gekauften Ware ist in den letzten 2 Jahren immer größer geworden.
Und ich achte viel mehr auf den Fett- und Zuckergehalt als früher. Und auf den Zusatz von künstlichen Zusatzstoffen oder Aromen.

Die Gesundheit rückt also wieder mehr in den Vordergrund (dabei werden Tierschutz und Geschmack aber nicht automatisch weniger wichtig).

Ich glaube, den Weg, den ich beschreite, kann man an den Rezepten ablesen. So wie man in meinen Rezepten die Phase sehen kann, als ich verschiedene vegane Käsesorten ausprobiert habe, so sieht man jetzt, dass ich öfter auf Fett verzichte oder Zucker- und Fettmengen zumindest reduziere.

Der eine oder andere Leser ist vielleicht enttäuscht – natürlich schmecken fett- und zuckerreiche Gerichte oft etwas besser. So wie ich auch immer noch finde, dass ein Kuchen, der mit Butter gebacken wurde, besser schmeckt als einer, der mit Margarine gebacken wurde. Aber wichtiger als der ultimative Geschmack ist mir mittlerweile dass es 1. vegan ist und 2. nicht ganz so ungesund.

Was nicht bedeutet, dass ich mich immer daran halte. Zu sehr bin ich auch „nur Mensch“ und bin deshalb nicht ständig vernünftig und schon gar nicht asketisch veranlagt. Und so wird es auch weiterhin ab und zu Kuchen und Kekse geben, aber ich bremse mich halt ein wenig, was die Menge und die Häufigkeit betrifft.
Jedenfalls ist das die Marschrichtung, die ich momentan anvisiere. Wobei Vorräte natürlich noch aufgebraucht werden. Und, wie gesagt, es ist kein vollkommener Verzicht, sondern nur eine Einschränkung.
Wie ich das auf Dauer durchhalte? Mal sehen – deshalb heißt das ja hier „Der Weg ist das Ziel“ – es gibt immer wieder Veränderungen. Und Sie sind live dabei. 🙂

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2 Kommentare zu “Der Weg ist das Ziel V

  1. Die meisten SchreiberInnen der von mir gelesenen Blogs ernähren sich nicht vegan, das spiegelt durchaus das reale Leben wider. Wie in der Zeit, waren (und sind) die Kommentare zu meinen vorgestellten veganen Gerichten und Kuchen dementsprechend unterschiedlich. Interessanter als geschriebene Kommentare sind Posts in einigen dieser Blogs. Wo es früher selten um das Zeigen gekochter Mahlzeiten in Wort und Bild ging, erscheinen jetzt immer öfter Fotos von Braten, Wurst u.ä. Vielleicht bin ich empfindlicher geworden, das möchte ich nicht einmal abstreiten, aber einfach ist es nicht, sich vegan zu ernähren. Letztens war ich ganz dicht davor, für meinen Mann Buletten zu braten. Aber als ich Richtung Fleischtheke ging, wurde mir übel. Ich kann und ich will tierlichen Produkte nicht nur nicht essen, sondern auch nicht kaufen. Obwohl es da kleine Ausnahmen gibt. Wenn ich mit meiner Enkeltochter unterwegs bin und sie ein Eis essen möchte, würde ich ihr auch ein Milchspeiseeis zugestehen (bisher mag sie aber immer nur Mango und Erdbeere haben). Eine Wurst gäbe es aber nie! Ich weiß noch nicht, wie ich in diesem Jahr die Betriebsweihnachtsfeier überstehen soll. Wie im letzten Jahr gibt es in einem Segelclub das große Gänsemassaker. Im letzten Jahr rette mich ein vegetarischer Gemüsekeller, und ich aß etwas von den Klößen und dem Rot- und Grünkohl. Da ich aber davon ausgehen kann, dass das Gemüse mit Butter zubereitet wird, fällt das diesmal aus. Außerdem ertrage ich das massenhafte Auffahren der ganzen Gänse nicht, die erst am Tisch geteilt werden. Mir wird jetzt schon schlecht, wenn ich daran denke. Aber wenn alle begeistert Hurra schreien bei dem Vorschlag, was soll ich da machen? Ich habe in den letzten Jahren immer wieder dafür plädiert, statt so teurer Feiern lieber zu spenden. Aber das ist ein anderes Thema.
    Liebe Grüße und weiter alles Gute auf dem veganen Weg!
    Elvira

    • Ja, Elvira, auch ich bin empfindlicher geworden, was den Anblick von Fleischerzeugnissen betrifft. Eigentlich komisch, denn auch als Vegetarierin habe ich ja kein Fleisch gegessen. Trotzdem bin ich jetzt noch empfindsamer geworden. Allein schon, wenn ich jetzt schon in den Werbeblättchen die vielen Fleischangebote für die Weihnachtszeit sehe! Überhaupt habe ich das Gefühl, ohne tierische Produkte sähe es in den Werbeblättchen sehr mager aus. Und dabei haben wir ein Paradies, was die Auswahl von Obst und Gemüse betrifft, davon hätten die Leute vor 100 oder 200 Jahren nur träumen können.
      Ja, mit diesen Feiern, da habe ich auch keine Lösung. Entweder geht man gar nicht hin oder man versucht halt, selbst so vegan wie möglich zu essen und die Scheuklappen aufzustellen, wenn die anderen ihr Fleisch essen (ich weiß, mir gelingt es auch nicht).

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