Tierische Attraktion in Ober-Ramstadt

Ober-Ramstadt, dieser Ort wird den wenigsten Bloglesern etwas sagen. Es ist der Ort, in dem ich wohne.
Als Heimatort möchte ich ihn nicht bezeichnen. Heimat, das ist (leider) etwas, das im Laufe der Jahre und etlicher Umzüge irgendwie verloren gegangen ist.

Und der Ort Ober-Ramstadt macht es einem vielleicht auch nicht ganz so einfach, ihn zu lieben. Zwar vom Prinzip her malerisch gelegen inmitten von Odenwald-Hügeln. Aber irgendwie ohne Flair, eine Aneinanderreihung von in der Mehrzahl nicht allzu schönen Häusern und dazu zwei riesigen Neubaugebieten.

Ich habe das Glück, am Ortsrand zu wohnen, bin also sofort „draußen“, sobald ich aus der Haustür trete. Während meine Spaziergänge sich in den vergangenen Jahren mehr oder weniger hauptsächlich auf das Gebiet zwischen Ober-Ramstadt und Rossdorf erstreckten, zieht es mich in letzter Zeit immer öfter an das nördlich gelegene Gelände von Ober-Ramstadt.
Nordöstlich der Industrieanlage von Caparol (diese Firma sag dem einen oder anderen vielleicht was, hier wird z. B. Alpina-Weiß hergestellt) befinden sich Freiflächen, die in den letzten Jahren zum Teil umgestaltet wurden und vor allem von diversen Tieren besiedelt wurden.

Endlich versteht man, woher der Ausdruck "im Gänsemarsch" kommt

Endlich versteht man, woher der Ausdruck „im Gänsemarsch“ kommt

So wurde ein großer Teich angelegt, wo man Enten und Gänse beobachten kann. Letzten Sommer grasten hier außerdem ein paar Esel. Momentan sind sie auf einer anderen Weide untergebracht. Dann gibt es Kuhweiden (das eine Bild im Kopf meines Blogs stammt von einem Kalb von dort). Und es leben Schafe und Ziegen hier.

Huehner MobilGanz neu wurde außerdem ein Hühnermobil aufgestellt. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Tagsüber haben die Hühner Auslauf, nachts werden sie im Mobil eingesperrt, was sinnvoll ist, denn bei uns gibt es auch Füchse. Wobei die natürlich auch leben und fressen wollen.

Jedenfalls ist Ober-Ramstadt dadurch attraktiver geworden. Nicht nur mich zieht es immer wieder dorthin. Ich habe das Gefühl, dass auch immer mehr andere Leute ihre Route für einen Spaziergang dorthin verlegt haben. Es ist einfach zu schön, die Hühner zu beobachten, wie sie manchmal ganz eilig von einer zur anderen Stelle rasen, um dort mit den anderen zu picken.
SchafÄhnlich bei den Schafen. Ich musste lachen, als ich ein Schaf über die Weide rennen sah und es dann von einem auf den anderen Moment stehen blieb und dort gemütlich Gras fraß. Irgendwie müssen die paar Grashalme unheimliche Anziehungskraft besessen haben.

Auch die Gänse beobachte ich immer sehr gerne. Bei mir sind sie merkwürdigerweise relativ entspannt und ruhig. Bei manchen anderen Spaziergängern fangen sie schon von weitem an zu schreien, dass man sie noch 300 Meter weiter hört.

ZiegenTraurig ist bei der ganzen Sache höchstens, dass der Anblick von Hühnern, Kühen, Schafen, Ziegen und Gänsen draußen früher ein ganz normaler war. Heute ist es für die Leute was Besonderes und sie bestaunen sie wie wilde Tiere im Zoo.

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9 Kommentare zu “Tierische Attraktion in Ober-Ramstadt

  1. In ländlichen Gebieten ist mir aufgefallen, wie wenig Tiere auf den Weiden stehen, ganz besonders Kühe fehlen. Hier in der Großstadt gibt es einige Kinderbauernhöfe, damit die Kinder Ziegen, Schweine &Co. in Natur sehen können. Allerdings ist das ein Bild mit Schieflage, wie wir ja wissen. Aber immer noch besser, als gar keinen Kontakt zum lieben Vieh!
    Ich wohne am Stadtrand und fußläufig ist einer der beiden Berliner Bauernhöfe erreichbar. Im Sommer genieße ich Spaziergänge zwischen den Weiden und Koppeln. Aber auch hier schleicht sich bei mir ein unangenehmes Gefühl ein, weiß ich doch, dass viele der Rinder den nächsten Sommer nicht mehr erleben werden.

    • Bei den Mengen Fleisch und Milch, die konsumiert werden, müssten die Weiden vollstehen mit Kühen. Das allein zeigt doch schon, dass fast alle Produkte eben doch aus der Massentierhaltung kommen, von Tieren, die nie Erde und Gras unter den Füßen gespürt haben. Auch das Biosiegel täuscht Idylle vor. Wer glaubt, dass für seine Biomilch der Bauer morgens und abends auf die Weide geht, um dort die Kühe zu melken, ist ganz schön weltfremd. 😦
      Bei den Gänsen habe ich übrigens auch die Luft angehalten und sie letztes Jahr sowohl vor als auch nach dem Martinstag gezählt. 🙂 Sie leben alle noch.

  2. Als Kind hatte ich das Glück, meine Ferien u.a. auch auf Bauernhöfen verbringen zu dürfen. So richtige Höfe wie aus dem Bilderbuch. In der Mitte des Hofes war der riesige Misthaufen, immer dampfend, den ich nie als stinkend empfunden habe. Die Kühe wurden abends zum Melken in den Stall geholt. Im selben Stall waren auch die Schweine untergebracht. Und ein oder zwei Kälbchen, die mit Hingabe an meinen Fingern nuckelten. Natürlich habe ich das als Kind als Idylle erlebt. Babykatzen, Hühner, die ich abends füttern durfte, das gemeinsame Suppe löffeln aus einer Schüssel, barfuss laufen, Traktor fahren, auf dem Rücken eines Pferdes sitzen und immer und überall Tiere. Vielleicht gibt es auch heute noch in einigen Winkeln diese kleinen Höfe, die sich selbst versorgen können.
    Noch eine Kindheitserinnerung: Am Sonntag gab es in meiner Familie Fleisch, sehr selten unter der Woche. Wir konnten es uns nicht leisten. Und das ist doch das grundlegende Problem heute. Fleisch ist Massenware geworden, zu billig. Nun, wir haben unsere Konsequenzen gezogen.

  3. Hallo Christiane,

    zuerst mal danke für die vielen leckeren Rezepte , die ich gerne nachkoche !

    Wir sind praktisch Nachbarinnen, doch das Gebiet kenne ich nur vom Blick aus dem Auto
    aus . Das wird sich ändern, beim nächsten Spaziergang führt uns der Weg dorthin . Danke für den Tipp !

    Liebe Grüße

    Inge

  4. (Ich kenne Ober Ramstadt, komme aus der Nähe von Frankfurt – Grüße von Hessen nach Hessen :-D)
    Leider ist aber ein Bauernhof und die Mentalität, die damit zusammen hängt, kein Eitel-Sonnenschein.
    Ich bin mit vielen Tieren, die nur aus Liebe und Hobby gehalten wurden, aufgewachsen und bin (zu) oft mit Bauern aneinander geraten, da für sie ein Tier ein „Tier“ ist. (Zumindest in der Gegend wo ich lebe/gelebt habe)
    Die Katzen wurden ersäuft, die Hunde geschlagen, das Vieh war nur zur Geldgewinnung da. Hier letztens mußte ich von einer Bekannten erfahren, dass ihr Schwiegervater den Hund mit einem Träcker überfahren hat und nur meinte „Ja und? Dann kaufen wir nen neuen, der hat eh nix getaugt“ (Schwiegervater ist erst Ende 50!!!)
    Selten habe ich Bauernhöfe erlebt, wo es dem Bauern um Respekt für die Tiere ging. ABER, vielleicht ist es auch besser so für diese Menschen oder es muß so sein, da sie keine starke Bindung an die Tiere aufbauen und das Töten dann einfacher ist.
    Es ist schön zu hören, dass solche Flächen genutzt werden und Tiere draußen gehalten werden. Denn tatsächlich, man sieht kaum mehr freilaufende Tiere.
    Letztens, auf dem Weg nach Hause, war ich ganz verblüfft einen Schäfer mit seiner Herde zu sehen – das habe ich das letzte Mal in unserer Gegend vor bestimmt 5 Jahren gesehen.
    Nachdem ich Deinen Bericht gelesen habe, bin ich um so dankbarer, dass ich mit vielen verschiedenen Tieren aufwachsen durfte. Glvg Davina

    • Ja, die Bauern und ihr Verhältnis zu Tieren… 😦
      Ich verstehe zwar, woher das kommt – die wenigsten Bauern sind reich und Tierhaltung muss sich in erster Linie für sie finanziell lohnen – aber gutheißen kann ich es trotzdem nicht. Noch nie in meinem Leben habe ich in natura Schweine gesehen, die draußen gehalten wurden. Auch vor 40 Jahren war nicht alles eitel Sonnenschein, was die Tierhaltung betrifft, auch wenn es da im Verhältnis noch mehr Kleinbauern und weniger Massentierhaltung gegeben hat. Als Kind war ich von Zeit zu Zeit bei einem Bauern in der Nachbarschaft. Dessen Kühe standen im Stall (ob allerdings immer, oder ob sie zeitweise doch mal auf einer Weide waren, weiß ich nicht) – zumindest hatten sie Namen, waren also nicht „nur Ware“.

      • Ja, mein erstes, überzüchtedes Schwein mit zuviel Rippen habe ich gesehen, da war ich 10 oder so. Es war eingepfercht in einen Stall in dem es sich kaum drehen konnte und Papa meinte nur „Davon bekommen wir bald die Hälfte“. Das war schrecklich. Das Schwein hatte kein Leben, wobei in dem Fall die Schlachtung wohl eher Erlösung war.
        Es durfte nicht raus, es hatte keinen Auslauf und war aggressiv.
        Schade, das ich für mich erst so spät aufgewacht bin. Ich hätte einiges Leid was wegen meinem Konsum verursacht wurde/wird, verhindern können.
        Aber besser spät als nie aufwachen!

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