Was ich gerade lese…

Dr Jacobs WegIch lese natürlich nicht nur Kochbücher, auch wenn ich hier fast nur davon berichte. Aber das meiste, das ich lese, hat nichts mit Vegansein zu tun. Schließlich geht das normale Leben weiter, auch wenn man vegan ist und so lese ich weiterhin auch Krimis und Romane zur reinen Unterhaltung.
Ab und zu mal ein Sachbuch, wenn mich ein Thema sehr beschäftigt. Zuletzt waren da Sachbücher zum Thema Windows 8 darunter, aber darüber wollte ich nun nicht berichten. 🙂

Seit ich mich vegan ernähre, beschäftige ich mich aber insgesamt wesentlich mehr mit dem Thema Ernährung als früher. Und als ich vor kurzem im Internet auf den Titel „Dr. Jacobs Weg des genussvollen Verzichts“ gestoßen bin, war ich neugierig.

Nichts im Titel deutet direkt darauf hin, dass es um vegane Ernährung geht. Und der Titel selbst ist – wie ich finde – ein wenig merkwürdig. Genussvoll und Verzicht, passt das zusammen? Ja, doch, denn gerade bei der veganen Ernährung denken viele unbedarfte Menschen zuerst an Verzicht, wer es dann ausprobiert, merkt schnell, dass vegan sehr lecker sein kann.

Und „Dr. Jacobs Weg“, das klingt irgendwie wie Jakobsweg, was sicherlich auch beabsichtigt ist. Der Autor schreibt, dass er den Titel so gewählt hat, weil er aufgrund seiner Recherchen den Weg der Ernährungsumstellung selbst gegangen ist und nicht nur 11 kg Körpergewicht verloren hat, sondern sich jetzt auch fitter und gesünder fühlt.

Bei Amazon habe ich mir erst mal die Leseprobe durchgelesen sowie die Kritiken zum Buch. Und obwohl ich beim Preis doch etwas gezögert habe, mein Interesse war geweckt.
Eigentlich will ich mir gar nicht mehr so viele Bücher kaufen, aber dieses ließ mich gedanklich nicht los. Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Bücherei es in den Bestand aufnimmt, ist sehr gering, also habe ich es doch gekauft.

Genug Vorgeplänkel, worum geht es im Buch? Geschrieben wurde es von einem Arzt, der sich mit den verschiedenen Ernährungssstudien auseinandergesetzt hat, diese zusammengefasst und bewertet hat und schließlich daraus seine eigenen Ernährungsempfehlungen erstellt hat.
Das Buch richtet sich eigentlich in erster Linie an seine Berufsgenossen. Wen viele Zahlen und Fachausdrücke abschrecken, der sollte auf den Kauf lieber verzichten.

Ich selbst hatte aufgrund der Amazon-Kritiken eigentlich die Erwartung, dass lediglich 2 Kapitel für mich interessant sind, nämlich Kapitel 1 (Die Ursachen der Zivilisationskrankheiten in aller Kürze) und Kapitel 12 (Ernährungsempfehlungen).

Und habe auch beide Kapitel als erstes gelesen. Ich gestehe, selbst in diesen beiden Kapiteln habe ich nicht zu 100% jeden Satz verstanden, denn auch hier haben sich ein paar Fachausdrücke eingeschlichen. Aber ich habe doch schon einiges gelernt. Zum Beispiel war mir vorher die Bedeutung von Kalium nicht so klar.

Es blieb nicht bei den beiden Kapiteln. Denn ich wurde neugierig, mehr zu erfahren und so las ich mich kreuz und quer durch das Buch. Und muss sagen: So unverständlich war das auch für mich als Laien nicht. Man muss sich lediglich davon verabschieden, dass man wirklich jeden einzelnen Satz versteht (noch dazu war ich in Chemie nie so gut, diese Passagen habe ich dann weitgehend überlesen).
Aber auch wenn man nur querliest, kann man jede Menge erfahren. Jeder Leser wird vermutlich jeweils unterschiedliche Passagen interessant finden. Langweilig ist das Buch auf jeden Fall nicht. Allein die verschiedenen Ernährungsstudien (z. B. China Study, Okinawa, Adventist Health Study) sind schon sehr interessant. Immer wieder verweist Dr. Jacobs außerdem darauf, wie sich die normale Bevölkerung in Deutschland vor mehreren 100 Jahren ernährt hat und wie die verschiedenen Zivilisationskrankheiten seitdem angestiegen sind.
So war die ursprüngliche deutsche und asiatische Ernährung kohlenhydratreich (vollwertig), enthielt wenig tierisches Eiweiß, wenig Fett, so gut wie keine isolierte Zucker. Wir nehmen heute weniger Kohlenhydrate auf, die noch dazu überwiegend schnell resorbierbar sind (Zucker, Weißmehl). Dr. Jacobs geht unter anderem auch auf die Trendernährung Low-Carb und Paleo ein und erklärt, wie sich diese im Körper auswirken.
Nur das Thema Jodversorgung wurde für mich nicht ganz befriedigend behandelt. Da Dr. Jacobs vor zu viel Salzkonsum warnt, fällt hier eine mögliche Jodquelle fast weg. Algen isst man in der Regel auch nicht jeden Tag, noch dazu haben sie einen unterschiedlichen Jodgehalt, so dass man sich darauf nicht verlassen kann. Bleibt nur noch die Supplementierung. Das ist zwar bei Vitamin B12 auch der Fall, hier sehe ich es aber nicht als so kritisch an, da eine Überdosierung zum einen nicht so wahrscheinlich, zum andern nicht so schädlich ist.

Ein bißchen anstrengend ist das Buch schon. Es ist nicht nur sehr schwer und dick, sondern beinhaltet wie gesagt viele Daten und Fakten, das liest man nicht zur Entspannung kurz vor dem Schlafengehen im Bett.
Einige Aussagen wiederholen sich im Buch, was ich aber nicht schlimm fand. Vor allem, wenn man davon ausgeht, dass niemand das Buch komplett von vorne bis hinten durchliest, sondern sich einzelne Kapitel oder Passagen herausgreift, die einen besonders interessieren. Ein Stichwortverzeichnis sucht man leider vergebens, so etwas hätte ich ganz brauchbar gefunden.

Durch alle Kapitel zieht sich die Empfehlung, möglichst komplett auf Tierisches zu verzichten. Ein wenig hat es mich deshalb verwundert, dass er bei seinen Empfehlungen in Kapitel 12 nicht ganz so strikt war und dort durchaus geringe Mengen an Fleisch, Fisch und anderen Tierprodukten „erlaubt“ hat. Dies vermutlich vor dem Hintergrund, dass sonst viele Omnivoren sofort abgeschreckt werden.

Was empfiehlt nun aber Dr. Jacobs in Bezug auf Ernährung? Grob zusammengefasst sollte unsere Ernährung bestehen aus: 70% Obst (die meisten Sorten) und Gemüse, bis zu 30% Kohlenhydrate mit niedrigem GI (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse). Maximal 10 % Kohlenhydrate mit hohem GI (Milchprodukte, Fisch, dazu zählen aber auch Kokosmilch, Agavendicksaft, dunkle Schokolade). Maximal 3% Lebensmittel wie Fleisch, Fast Food, Käse, Zucker, Fett.
Wobei die letzte Kategorie möglichst komplett vermieden werden soll und die vorletzte soweit wie möglich reduziert werden soll.

Zitat: „Schwerpunkt des Ernährungsplans ist eine niedrige Energie- und hohe Vitalstoffdichte der Ernährung. Dies ist am besten mit einer breiten und bunten Palette an natürlichen, möglichst gering verarbeiteten salzarmen, pflanzlichen Lebensmitteln zu erreichen.“

Nicht jede Nahrungszusammenstellung ist für jeden geeignet. Man denke an Allergiker oder Menschen, die aufgrund von Krankheiten bestimmte Mineralstoffe nur reduziert zu sich nehmen dürfen. Auf diese Besonderheiten wird im Buch auch eingegangen, dazu sollte man sich aber wirklich durch das Buch durcharbeiten.
Im übrigen erkennt er an, dass die Umstellung nicht jedem ganz leicht fällt.

Zitat: „Die Omnipräsenz von ungesunden Lebensmitteln mit Suchtpotential macht es uns nicht gerade leicht. Dies ist auch ein Grund, warum uns das Maßhalten heute so schwer fällt und wir uns trotz der Möglichkeit einer gesunden Ernährung überwiegend ungesund ernähren. Außer wir entscheiden uns ganz bewusst für eine gesunde Lebensweise.“

Mein Fazit: Ich habe den Kauf nicht bereut und werde mir in ruhigen Stunden einige Kapitel noch einmal genau durchlesen. Es ist in erster Linie für diejenigen interessant, die entweder medizinische (Vor-)Kenntnisse haben oder wirklich mehr über Ernährung, ernährungsbedingte Krankheiten, Ernährungsstudien usw. wissen wollen. Und sich durch sehr viele Zahlen und medizinische Ausdrücke nicht abschrecken lassen.
Es ist vielleicht eine Argumetnationshilfe in Diskussionen, ob vegane bzw. vegetarische Ernährung gesund ist oder nicht. Aber ob man dann die Zahlen alle parat hat?

Es hilft mir leider nicht dabei, dass ich komplett den Appetit auf ungesunde Sachen wie Kuchen und Schokolade verliere. Jedoch hilft es mir, aus Vernunftsgründen die Menge zu reduzieren.

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